Kolumne: Nachgehagt

"Stinkefaul" statt "stets bemüht"

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Klare Ansagen - da weiß jeder, woran er ist.

Fremdwörter, akademisches Geschwurbel - sagt doch einfach direkt, um was es geht! Auch, wenn's nicht immer angenehm ist.

"Wir müssen das zeitnah, progressiv, proaktiv und zielorientiert angehen." Und am besten auch noch innovativ und kreativ. Ja, ne, is klar! Bei solchen Sätzen dreht sich der Magen um. Hauptsache geblubbert. Und möglichst so, dass es sich intelligent anhört. Auch, wenn so ziemlich genau gar nichts dahintersteckt.

Was ist denn bitteschön "zeitnah"? Etwa jetzt sofort? Reicht "aktiv" nicht? Pro-Zente, Pro-Mille und pro-biotisch – okay. Aber "proaktiv"? Und außerdem ist davon auszugehen, dass hinter einer Sache ein Ziel steht, sobald der Stein ins Rollen gekommen ist. Aber Worthülsen gibt's im Alltag häufiger als Patronenhülsen auf dem Schießstand. Politiker, Beamte, Moderatoren und Stellenanzeigen sind nur die Spitze des Eisbergs.

Alle reden von Zeitmangel. Aber für leere Worte ist genug Muße da. Dann doch lieber die Aussagen direkt und unverblümt ins Gesicht. "Grottenschlecht" statt "suboptimal", "stinkefaul" statt "stets bemüht" und "erster Verlierer" statt "zweiter Sieger". Man klopft den Teppich, man schlägt die Sahne und man drischt Getreide – aber besser keine Phrasen.

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Daniel Hagmann

Daniel Hagmann

Als Reporter in der Region unterwegs. Hauptinteressen: Kunst, Kultur und Kokolores im echo24-Land. Kolumne: "Nachgehagt".

E-Mail:daniel.hagmann@echo24.de

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