Film "Keine Kanaken an Bord?!" von Ex-Sulzfelder Florian Erker ist fertig

Film gegen Rechts vorgestellt: "Keine Kanaken an Bord?!"

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Beängstigende Atmosphäre mit Hauptdarsteller Christian Birko-Fleming.

Düster, bedrohlich, beängstigend – und genau deshalb eine absolut notwendige Auseinandersetzung mit sich selbst.

Die Angst erfasst den Zuschauer am ganzen Körper: Schwarz-weiß Bilder, bedrohliche Soundkulisse und wie von Sinnen irrt ein junger Mann durch einen Bus. Er weiß weder, wie er hierher gekommen ist, noch wohin der Bus fährt. Seine Mitreisenden? Scheinen völlig fremd, außer, dass sie mehr wissen als die Hauptfigur. "Wir schaffen das" oder "Schau dich doch um", mehr Hinweise wollen sie nicht geben.

Völlig gehetzt bleibt die Hauptfigur auf sich selbst zurückgeworfen. "Die Figuren sind zeitlos", erklärt Florian Erker. Wer hinschaut, entdeckt den gedankenlosen Gehorsamen ebenso wie den besorgten Wutbürger. Mit seinem Zwölf-Minuten-Kurzfilm "Keine Kanaken an Bord?!" nähert sich der 30-jährige Ex-Sulzfelder der Flüchtlingsdebatte aus einem spannenden Blickwinkel – ohne das Thema allzu offensiv anzusprechen. Erker: "Im Bus wird die Hauptfigur mit mehreren Teilen ihrer Persönlichkeit konfrontiert. Die Leute sind die unterschiedlichen Stimmen und Haltungen, die auf den Einzelnen einströmen."

Eine Frau zieht den Mann neben sich auf den Sitz und behauptet, dass die Zuwanderer arbeitsscheu seien. Im nächsten Moment allerdings erklärt die Dame, dass die Fremden "uns" die Arbeitsplätze wegnehmen. Erker: "Ich wollte genau die Widersprüche aufzeigen, die Vorurteile meistens haben."

Gedreht wurde die Bus-Szene an einem Tag. "Wir hatten einen engen Zeitplan und haben es geschafft, die elfminütige Sequenz an einem Sonntag abzudrehen", erklärt Erker. Den ganzen Tag über pendelte der Bus samt Crew zwischen Karlsruhe und Mannheim hin und her. "Ich wollte zeigen, dass der Bus zwar in Bewegung ist, mit all den Vorurteilen als Besatzung kommt er aber dennoch nicht voran."

Mehr als 3.000 Euro hat der hauptberufliche Regisseur Florian Erker über eine Crowdfunding-Plattform gesammelt. Wirtschaftliche Interessen verfolgt er mit dem Film aber keine. Sondern: "Genau wie die Hauptfigur muss jeder Mensch lernen, die Vorurteile gegenüber Fremdem zu überwinden. Nur so können wir mit den Flüchtlingen umgehen", erklärt Erker. Furcht und Hass haben noch nie Positives hervorgebracht.

In einer idyllischen Szene erinnert sich die Hauptfigur gegen Ende des Films an ihre Kindheit. Damals zieht ein fremder Junge in die Nachbarschaft. Doch dann hilft das Kind bei einem Problem – und die Vorurteile lösen sich auf. Gedreht wurde diese Szene auf der Raußmühle bei Eppingen. Florian Erker stellt klar: "Wer nicht selbst die Kontrolle über sein Denken übernimmt, der wird gelebt."

Vielfalt statt Angst und Hass

An diesem Samstag feierte der Film seine Premiere im Mannheimer Atlantis-Kino. Slam-Poet Christian Rehn fragte in seinem nachdenklichen Beitrag, welche Rolle denn der Einzelne in der Flüchtlingsdebatte übernehmen könne, um möglichst gehört zu werden. Und zwischen den Schauspielern, Vertretern des Mannheimer Stadtrats und der Polizei sowie Regisseur Florian Erker entfachte sich eine rege Diskussion über die Entwicklung der Fremdenfeindlichkeit in den vergangenen Monaten. Kriminaloberrat Harry Blome erklärte: "Die Rechten nutzen Ängste und Vorurteile dazu, um ihre Meinung zu verbreiten. Die Fakten sprechen aber eine ganz andere Sprache: Durch die Zuwanderungen ist die Kriminalität nicht angestiegen." Und Regisseur Florian Erker betonte: "Die Menschen müssen aufeinander zugehen und sich kennenlernen. Nach der Verständigung untereinander ist die Welt eine andere."

Im Anschluss an die Premiere soll mit "Keine Kanaken an Bord?!" noch einiges passieren. Erker: "Ich bin im Kontakt mit Arte und dem ZDF." Und auch auf Kurzfilm-Festivals soll "Keine Kanaken an Bord?!" zu sehen sein. Eine Veröffentlichung auf Youtube ist geplant. Erker erklärt: "Jeder muss bei sich selbst anfangen, damit die Welt ein besserer Ort wird. Und die jüngsten Wahlerfolge der rechten Parteien zeigen: die Aussage des Films ist aktueller den je."

Mehr über "Keine Kanaken an Bord?!" gibt es auf der Facebook-Seite zum Kurzfilm.

Daniel Hagmann

Daniel Hagmann

Als Reporter in der Region unterwegs. Hauptinteressen: Kunst, Kultur und Kokolores im echo24-Land. Kolumne: "Nachgehagt".

E-Mail:daniel.hagmann@echo24.de

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