Mammutprogramm: 24 Aufführungen von "Kohlhiesel's Töchter"

Freilichtspiele Neuenstadt: Blick hinter die Kulissen

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Das Team der Freilichtspiele Neuenstadt ist heiß: Nach monatelanger Vorbereitung geht es in zwei Wochen endlich los.

Die Figuren wachsen den Darstellern richtig ans Herz. Und manchmal ist das Spielen wie eine Therapie.

Knapp zwei Stunden beste Laune, Darsteller voll in ihrem Element - und die malerische Kulisse des Schlossgrabens. Wenn die Freilichtspiele Neuenstadt in zwei Wochen mit der Premiere von "Kohlhiesel's Töchter“ in die 59. Spielzeit starten, können sich die Zuschauer entspannt zurücklehnen.

Doch bis es auf der Bühne so lockerleicht wie am Schnürchen läuft, ist eine Menge Vorlauf notwendig. "Schon vor der aktuellen Premiere steht das Stück der Folgesaison fest", erklärt Spielbetriebsvorstand Lars Tönnies, der seit Jahren auch selbst auf der Bühne steht. Die Fragen bei der Stückwahl: "Haben wir das Personal, passt der Inhalt in unsere Amphitheater-Kulisse – und: ist das Thema überhaupt interessant fürs Publikum?" Darsteller Benjamin Ehnle erklärt: "Wir wollen die Zuschauer unterhalten. Sie sollen vom Alltag abschalten und einfach Freude haben – so wie wir auf der Bühne." Klassische Stoffe voller deutscher Schwere sind da fehl am Platz. Der Anspruch der Freilichtspiele: Kein Stück, das irgendwann schon einmal auf der Bühne in Neuenstadt zu sehen war, wird wieder aufgeführt. Doppler? Fehlanzeige!

Hinter den Kulissen der Freilichtspiele Neuenstadt

Nach der Stückwahl gibt's für alle Abteilungen der Freilichtspiele Neuenstadt grünes Licht – und die kreative Arbeit beginnt. Die Bühnenbildner denken sich die Kulisse aus, Kostüme werden gefertigt, die Regie legt den Ablauf fest und die Rollen werden verteilt. Tönnies: "Meist läuft die Besetzung typgerecht ab. Wer im richtigen Leben offen auf andere zugeht, spielt auch eine extrovertierte Figur." Und Ehnle ergänzt: "Das Tolle auf der Bühne ist, dass man einzelne Facetten richtig ausleben kann. Wenn eine Figur pausenlos schimpft, kann sich der entsprechende Darsteller abreagieren. Das ist dann wie eine Therapie."

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Nach monatelangen Proben wachsen den Darstellern die Figuren richtig ans Herz: "Man spielt Abend für Abend diese Rolle, da ist es zum Saisonende wie ein Abschied und man vermisst die Figur", erzählt Darstellerin Jessica Colquhoun, die in diesem Sommer 24 Mal als junge Tochter Liesl Kohlhiesel auf der Bühne steht. Dafür opfern die Schauspieler auch gerne die Sommerreise. Denn Wegfahren ist nicht bei mehreren Aufführungen pro Woche bis zum 7. August. Warum auch – schließlich ist die Bühne faszinierend genug, wie Darstellerin Corina Deininger berichtet: "Beim Spielen bekommt man den Kopf frei. Man vergisst den Alltag und geht in der Rolle auf." Nicht nur für die Zuschauer öffnen sich also neue Welten.

Um die 100 Leute – bis auf ganz wenige Ausnahmen alle ehrenamtlich – sind pro Saison im Einsatz. Vom Aufbau über die Geschäftsleitung bis zum Ticketverkauf. Und was wäre Theater ohne Technik? Für die ist unter anderem Sören Oberndörfer zuständig. Auch er muss das Stück ganz genau kennen: "Bei 'Kohlhiesel's Töchter' haben wir 35 Toneinsätze. Da muss die Begleitmusik genau in der richtigen Sekunde einsetzen."

Und auf was kann sich das Publikum in diesem Jahr freuen? Lars Tönnies erklärt: "'Kohlhiesel's Töchter' ist was fürs Herz, es wird viel gesungen, aber es geht bei Prügeleien auch ordentlich zur Sache." Das Team ist froh, wenn es nach monatelanger Vorbereitung in zwei Wochen endlich zur Sache geht. Für die Zuschauer heißt es aber: ranhalten, denn schon jetzt werden die Eintrittskarten für viele Termine knapp.

Weitere Infos

Die Aufführungstermine, den Ticketverkauf und weitere Infos zum Stück gibt es auf der Homepage der Freilichtspiele und auf Facebook.

Daniel Hagmann

Daniel Hagmann

Als Reporter in der Region unterwegs. Hauptinteressen: Kunst, Kultur und Kokolores im echo24-Land. Kolumne: "Nachgehagt".

E-Mail:daniel.hagmann@echo24.de

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