Viele Veranstalter nutzen die Künstler aus

Gonzo übers Musikgeschäft: "Wie Prostitution"

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Seit fast 30 Jahren steht Josip Gonzo Krolo auf der Bühne.

Für Profimusiker ist die Kunst ein Fulltime-Job. Vielen Fans ist das nicht bewusst.

Regelmäßige Proben, lange Fahrten zum Konzert, mehrere Stunden Auf- und Abbau. "Die Zeit auf der Bühne ist super – aber eben nur die Spitze des Eisbergs", erzählt Josip Gonzo Krolo. "Dazu kommt noch eine ganze Menge Organisation drumherum." Und das sehen viele Musikfans nicht.

Seit fast 30 Jahren steht der Weißbacher auf der Bühne. Als Gonzo’N’Friends hat er gemeinsam mit vier Bandkollegen 200 Auftritte pro Jahr. Da sich Gonzo auch selbst managt, ist es für den Berufsmusiker ein echter Fulltime-Job. Und der muss Geld abwerfen, schließlich hat der 45-Jährige eine Familie zu ernähren.

Gonzo: Schonungslos offen über das Künstlerleben

"Vielen, die mich buchen wollen, ist das gar nicht bewusst." Der Tenor oft: "So viel Geld für ein bisschen musizieren?" Gonzo: "Wenn wir auf einer Hochzeit drei Stunden spielen sind mit der Vor- und Nachbereitung schnell zwölf Stunden vergangen." Rechnet man da allein den Stundenlohn eines Handwerkers, kommt da für die fünf Musiker schon eine entsprechende Summe zusammen – die natürlich noch versteuert werden muss. Und Qualität hat auch ihren Preis.

"Livemusik hat oft nicht die Wertschätzung, die sie verdient." Und daran sind die Bands selbst nicht unschuldig. "Es gibt Künstler, die einem Brotberuf nachgehen. Die können es sich erlauben, nur wenig für einen Auftritt zu verlangen. Den Vollzeitmusikern graben sie aber das Wasser ab."

Die Folge: Preisdumping. Teilweise bezahlen Nachwuchsbands sogar, um auf einem großen Event spielen zu dürfen und so bekannter zu werden. Krolo: "Das hat niemand nötig – und ist schon wie Prostitution." Zumal auf Veranstaltungen Geld umgesetzt wird und die Organisatoren - zumindest bei großen Events- auch ordentlich verdienen. Auf Kosten der Künstler.

Wie wichtig ist euch Live-Musik?

"Das Geschäft ist wie ein Haifischbecken. Bands unterbieten sich gegenseitig, es herrscht Neid. Und immer wieder halten sich Veranstalter nicht an Absprachen, bezahlen nicht oder sagen den Bands kurz vor der Veranstaltung ab." Zudem herrscht Angst, bei klaren Gehaltsforderungen keine Auftritte mehr zu bekommen.

Was also tun? Die Musiker müssen an einem Strang ziehen. "Letztendlich spielen wir alle in ein- und derselben Band." Das heißt: Es sollte einen festen Mindestlohn geben, unter dem keine Gruppe auftritt. "Zudem ist eine schwarze Liste wünschenswert, die die falschen Fuffziger unter den Veranstaltern aufführt." Ähnlich dem Schufa-Prinzip. In England gibt es solche Blacklists bereits. Gonzo stellt klar: „Es geht nicht um Reichtum oder darum, die Veranstalter abzuzocken – sondern um faire Behandlung und den verdienten Lohn der Arbeit."

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Daniel Hagmann

Daniel Hagmann

Als Reporter in der Region unterwegs. Hauptinteressen: Kunst, Kultur und Kokolores im echo24-Land. Kolumne: "Nachgehagt".

E-Mail:daniel.hagmann@echo24.de

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