Fleißige Helfer retten Amphibien im echo-Land vor dem Tod auf der Straße

Loveparade mit Lebensgefahr

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100 Kröten sammeln Renate Rothkugel und Nick Trefz (11) aus Flein an einem Abend am Fleiner See ein.
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Wer sein Tempo auf 30 km/h drosselt, erhöht die Überlebenschance der Kröten enorm. Schon der Fahrtwind kann tödlich sein.

Frosche und Kröten sind eher dafür bekannt, dass sie gurren und quaken, statt dass sie Lieder von AC/DC grölen. Doch für Zehntausende Amphibien werden die Straßen im echo-Land in diesen Tagen zum „Highway to Hell“. „Sobald der Winter vorbei ist, beginnt die Laichzeit. Neben den Raubtieren als natürlichen Feinden sind dann vor allem Autos die Todesgefahr für die wechselwarmen Tiere“, erklärt Renate Rothkugel.

Die Fleinerin ist Mitglied im Naturschutzbund (Nabu) Heilbronn. Seit zehn Jahren ist sie zusammen mit ihrem Mann Wolfgang Rothkugel im Frühjahr unterwegs, um die kleinen Hüpfer sicher ans Ziel zu bringen. Meist ist das Ehepaar mit befreundeten Helfern am Fleiner See und entlang des Deinenbachs unterwegs. Eine für die Amphibien gefährliche Gegend. Renate Rothkugel: „Viele Autofahrer nutzen die Straße hier als Abkürzung, wenn sie Richtung Untergruppenbach oder auf die A81 wollen.“

Das Landratsamt Heilbronn sperrt Straßen und Feldwege in der Nähe von Laichgewässern von Anfang Februar bis Ende April komplett. Oder fordert zumindest dazu auf, das Tempo auf 30 km/h oder Schrittgeschwindigkeit zu drosseln. Doch Renate Rothkugel hat beobachtet: „Viele fahren einfach durch den gesperrten Bereich. Im selben Tempo wie immer.“ Dabei geht es nicht nur darum, die Tiere mit den Reifen nicht plattzufahren. Wolfgang Rothkugel erklärt: „Schon der Fahrtwind bei hoher Geschwindigkeit reicht, damit den Kröten die Lungen platzen.“ Oder sie werden vom Luftstoß gegen die Reifen geschleudert und sterben.

Loveparade mit Lebensgefahr

Das Besondere bei der alljährlichen Reise: Die Weibchen wandern oft mehrere Kilometer zu dem Gewässer, in dem sie selbst zur Welt gekommen sind. Und die Männchen folgen, um die Laichschnüre mit ihrem Samen zu verbinden. Die Tiere sind nachts unterwegs. Da sind sie vor der Sonne geschützt und es ist kühl. Tagsüber verkriechen sie sich in der Erde.

Daher sind die Rothkugels auch am späten Abend unterwegs und suchen die Straßen mit Taschenlampen und Eimern nach den Kröten ab. Renate Rothkugel: „In manchen Gebieten erleichtern Krötenzäune die Arbeit. Das geht bei uns nicht. Die Zäune würden bei der Landwirtschaft behindern.“ Auch der elfjährige Nick Trefz aus Flein hilft mit: „Ich mag Tiere. Außerdem sind Nachtwanderungen immer spannend.“ Erst recht, wenn sich ein vermeintlicher Schlammklumpen als Kröte entpuppt und der Helfer dazu beiträgt, dass die Liebesparade nicht als trauriger Tierfriedhof auf dem Asphalt endet.

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