Entgeist aus Hohenlohe konfrontieren die Hörer mit einer entfremdeten Realität

Nichtmenschen im Häuserwald

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Verschnörkelte Schrift vor düsterem Naturhintergrund: Das Bandlogo von Entgeist ist im klassischen Black-Metal-Stil gehalten.
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Zwischen monotonen Gitarren und nachdenklichen Texten liegt die Macht des Ichs.

Nachts kommt die Ruhe. Und mit ihr die Gedanken. Über sich selbst, die Menschheit und den Zusammenhang zwischen beidem. Dabei schießen dann Begriffe wie Isolation und Entfremdung durch den Kopf. Gepaart mit Bildern einer Welt, die in Trümmern liegt. Auch wenn es nicht direkt sichtbar ist.

„Man muss nur durch eine Großstadt wie Berlin laufen. Dort regiert die Anonymität. Niemand kennt den anderen. Überall stehen Gebäude – wie in einem Häuserwald aus Beton und Stahl“, sagt Tim Cornelius aus Öhringen-Baumerlenbach. Der 20-Jährige betrachtet die zunehmende soziale Kälte mit Sorge: „Ich bin froh, im ländlichen Hohenlohe aufgewachsen zu sein. Hier kennt man sich noch. Wenn die Leute nur noch wie Roboter ihrer Arbeit nachgehen, hat das nichts Persönliches mehr. Sie sind praktisch Nichtmenschen.“

Seine Gedanken verarbeitet er in Liedtexten für seine Band Entgeist. Die betreibt er seit 2012 zusammen mit Sergej Fetter (Gitarre), Michael Breyer (Schlagzeug) und Luca Seiffer (Gitarre).„Anfangs haben wir gecovert“, erzählt Breyer. Bei ihm in Ingelfingen trifft sich das Quartett einmal in der Woche zum Proben. „Dann hat jeder seine eigenen Ideen eingebracht.“ Fetter schreibt fesselnde Gitarrenmelodien, auf die Cornelius seine Texte anpasst. Das Ergebnis: düsterer Metal mit zum Schneiden dichter Atmosphäre. Cornelius: „Uns ist es wichtig, dass die Lieder nicht komplett durchprügeln. Es muss zwischen all dem Groove auch mal ein ruhiger Teil drin sein.“ Im Idealfall ein Abschnitt, in dem die Hörer über die Texte nachdenken. Der Sänger lacht und sagt: „Ich schreie und keife oft, aber in diesen Passagen versteht man meine Texte doch ziemlich gut.“

Die Musik liegt in der Schnittmenge aus Black-, Death- und Thrash-Metal. Breyer betont aber: „Klischees sind uns nicht wichtig. Deshalb gehen wir auch nicht düster geschminkt auf die Bühne wie diverse Szenegrößen.“

Entgeist aus dem Hohenlohekreis mischen groovigen Düsterrock mit Passagen zum Nachdenken (von links): Sergej Fetter (Gitarre), Michael Breyer (Schlagzeug), Tim Cornelius (Gesang) und Luca Seiffer (Gitarre, vorne).

Während Black-Metal-Urgesteine wie Darkthrone, Satyricon und BurzumElitarismus und Flucht in die Natur propagieren, beziehen sich Entgeist klar auf die Gesellschaft. Und trotz Düsternis gibt es immer einen Hoffnungsschimmer am Ende des Tunnels. Cornelius: „Wenn man sich durch die Musik mit Problemen konfrontiert hat, geht man gereinigt daraus hervor. Das kann motivieren, den Lauf der Dinge positiv zu verändern.“ Damit aus Nichtmenschen Lichtmenschen werden.

Information

2016 wollen Entgeist ihre erste CD veröffentlichen. Mehr gibt’s im Internet unter www.facebook.com/entgeist/?fref=ts

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