Drei Monate nach dem Horror-Unfall

Das Leid ist noch groß, doch Buddy ist der Lichtblick

+
Buddy

Nach dem Horror-Unfall ist bei Michaela Voigt und Peter Reinhardt nichts mehr wie es mal war. Nur der Hund - der bleibt der allergrößte Schatz.

Michaela Voigt sitzt am Gartentisch – ein bisschen gekrümmt. Immer noch hat sie starke Schmerzen. Ihr Freund Peter Reinhardt steht an der Haustür. Dann darf Buddy endlich raus, den Besuch begrüßen. Als der Vierbeiner um die Ecke springt, hinterlässt er mächtig Eindruck. Nicht, weil der Rottweiler-Mastiff-Mischling mit seinem bulligen Aussehen und seinen knapp 63 Kilo auf den ersten Blick einschüchternd wirkt. Nein, sondern weil seine treuen, hellbraunen Augen und das freundliche, zurückhaltende Wesen im krassen Gegensatz zum Äußeren stehen. Bei Buddy ist der Name Programm. Nach dem Horror-Unfall von Frauchen und Herrchen müssen die an allen Ecken und Enden kämpfen. Doch ihr Hund ist der Fels in der Brandung.

"Buddy ist mein Ein und Alles, er ist mein Rettungsanker, mein Seelentröster", erklärt Voigt. Buddy kam als Welpe zu ihr. Doch im Juni hätte die enge Mensch-Tier-Beziehung ein jähes Ende haben können. Bei einem Autounfall wurde der Rüde aus dem Wagen geschleudert und haute verängstigt ab. Sein Frauchen erwischte es noch schlimmer. Wegen ihrer schweren Verletzungen musste sie in eine Klinik, wurde dort ins künstliche Koma versetzt.

"Davor habe ich am Unfallort als erstes nach Buddy gefragt. Peter wusste gar nicht, wie es ihm geht. Buddy war ja erst einmal nicht auffindbar. Doch um mich zu beruhigen, hat er mir gesagt, es ginge Buddy gut." Davon, dass der verschwundene Vierbeiner sein Herrchen und die Region eineinhalb Tage in Atem gehalten hat, bekam Voigt nichts mehr mit.

Die schönsten Bilder von Rüde Buddy

Reinhardt entschied sich nur wenige Stunden nach dem Unfall, sich selbst aus dem Krankenhaus zu entlassen. Buddys Verschwinden ließ ihm keine Ruhe. Reinhardt: "Nach so einem Unfall kann man nicht mehr klar denken. Der hat uns ad hoc aus dem normalen Leben herausgerissen. Ich habe mich gefragt, wie ich es ihr erklären soll, falls wir Buddy nicht finden." Eine Freundin hatte zu diesem Zeitpunkt bereits die Tierrettung Unterland alarmiert. Bis 21 Uhr wurde der Vierbeiner verzweifelt gesucht. Dann musste die Suche erst einmal eingestellt werden. Zum Glück war bis dahin klar: Buddy ist wohl nicht schwer verletzt und auch nicht tot. Dann wäre er in der Nähe gefunden worden. Doch ob der Rüde wieder auftauchen würden, war trotzdem unklar.

Am nächsten Tag dann die Erlösung: Buddy lag bei einer älteren Dame vor der Haustür. Jan Franke von der Tierrettung konnte ihn dort in Empfang nehmen und Reinhardt ihn anschließend wieder in die Arme schließen. "Der Tierrettung gilt unser riesiger Dank. Ohne sie wäre alles anders gelaufen." Doch das Happy End musste dennoch verschoben werden. Voigt lag ab da an noch mehr als eine Woche im künstlichen Koma, dann noch fast drei weitere Wochen im Krankenhaus. Buddy konnte sie in der Klinik natürlich nicht besuchen.

"Aber Peter hat mir immer wieder Bilder von Buddy mitgebracht. Das war der Antrieb, schnell wieder aus der Klinik zu kommen. Ich wollte zu meinem Hund und meinem Freund", erklärt die Esslingerin. Reinhardt ergänzt: "Die Zeit ohne Frauchen war dann endlich vorbei. Sie hat Buddy sehr gefehlt." Um ihn überhaupt zum Essen zu bewegen, gab es in der Zeit ihrer Abwesenheit statt des üblichen Trockenfutters verlockendere nasse Kost. Trotzdem nahm der Rüde knapp drei Kilo ab.

Als Voigt endlich zurück nach Hause durfte, fiel Buddys Reaktion ganz anders aus als erwartet. Voigt: "Wir haben gedacht, dass wir aufpassen müssten, dass er mich nicht anspringt." Doch Buddy kapierte sofort, dass dies nicht erlaubt war. "Er war total einfühlsam und vorsichtig. Ich hatte noch eine Halskrause an und Buddy hat erst einmal alles abgeschnuppert." Danach folgte ihr der Vierbeiner einen ganzen Tag lang auf Schritt und Tritt. "Auch heute noch hat er mich im Blick wenn ich aufstehe. Manchmal ist mir noch schwindlig. Dann steht Buddy neben mir, und ich kann mich sogar abstützen."

Auch wenn Reinhardt arbeiten muss, ist Buddy für sein Frauchen da. "Es ist schlimm für mich, dass ich nicht selbstständig bin. Ich kann zum Beispiel keine Flaschen aufdrehen. Aber wenn Buddy mich mit seinem 'Hab-mich-lieb-Blick' anschaut, dann geht es mir besser." Und Aufmunterung können Reinhardt und Voigt auch Wochen nach dem schweren Unfall dringend gebrauchen.

Denn es hapert an allen Ecken und Enden. Die Schuldfrage ist nicht geklärt, es stehen noch unzählige Untersuchungen an, der Heilungsprozess wird sich weiter hinziehen. Doch keine der Versicherungen will bislang zahlen. Psychologische Hilfe steht ebenfalls noch aus – ein Termin ist trotz der dringenden Situation bisher nicht gefunden. Hinzu kommt, dass auch das Privatleben fast keinen Platz mehr hat. "Manchmal fühle ich mich wie in einem Gefängnis ohne Gitter", erklärt Voigt.

Buddy hatte Glück im Unglück bei dem Unfall. Er blieb unverletzt. Doch auch an ihm sind die Ereignisse nicht spurlos vorbei gegangen. Voigt: "Wir merken das noch, wenn hier Hubschrauber fliegen. Da reagiert er ein bisschen empfindlich. Zum Glück hat er sonst ein treudoofes Wesen. Er hat kein Problem mit Autos zum Beispiel. Dafür ist er noch mehr zu meiner Stütze geworden."

Vor Reinhardt, Voigt und Buddy liegt noch ein langer Weg. Trotz aller Schwierigkeiten werden sie diesen aber letztlich meistern. Dafür steht symbolisch der Abschied von den dreien. Während die Menschen sich am Tor die Hand geben, sitzt Buddy hinter ihnen auf der Treppe und passt auf. Voigt: "Ein Gutes hatte der Unfall schließlich, er hat uns noch näher zusammen geschweißt."

Mehr zum Thema:

Rührend: So verlief Buddys Rettung

Happy-End: Buddy ist wieder da

Horror-Crash: Drei Verletzte und ein verschwundener Hund

Julia Fischer

Julia Fischer

Lifestyle, Essen und Trinken sind ihre Themen. Auch als Szene-Reporterin und bei lokalen Events mittendrin. Kolumne: "Angerichtet".

E-Mail:julia.fischer@echo24.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare