Zehn Tage nach der Katatstrophe

Braunsbach: Noch Lichtjahre von Normalität entfernt

+
Viele Häuser drohen in Braunsbach einzustürzen und warten auf die Abrissbirne.

Die Aufräumarbeiten sind im vollen Gange - aber die Narben werden noch lange sichtbar bleiben.

Die herrliche Stille wird nur ab und an durch das Zwitschern der Vögel unterbrochen. Das Kochertal ist in warmes Sonnenlicht getaucht. Fast schon paradiesisch. Aber: Es ist eine trügerische Idylle. 

Plötzlich ist ein leichtes Grollen zu hören, das schnell anwächst. Der Boden beginnt zu beben. Dann rast er vorbei: der vierachsige Ladekipper. Randvoll beladen mit Schutt. Eine Stadt ist im Aufräum-Modus. Immer noch. Zehn Tage ist es her. Da schoss genau dieser Schutt und all der Schlamm in einer Lawine den Hang herab. Das Unwetter - und alles was es mit sich zog - veränderte das Leben der Bewohner der beschaulichen Kochertal-Gemeinde Braunsbach auf einen Schlag.

Braunsbach: Noch Lichtjahre von der Normalität entfernt

Bis heute. Zehn Tage nach der Katastrophe ist der Schlamm größtenteils entfernt. Auch die Hauptstraße durch den Ortskern ist wieder befahrbar. Jedenfalls für die schweren Räumfahrzeuge. Links und rechts türmen sich die Schuttberge übermannshoch auf. Das ganze Ausmaß der Katastrophe wird erst jetzt richtig überschaubar. "Betreten verboten!", ist mit Farbe an diverse Häuser gesprüht. Was heißt da Häuser? Sie ähneln eher Skeletten. Der Geruch von Faulschlamm breitet sich zudem langsam in der Stadt aus.

Ein Bagger hebt mit seiner Schaufel einen großen Stein an. Der Fahrer, Andree Krasny, ist sichtlich erschöpft. Er war einer der ersten Helfer in dem zerstörten Dorf. Er erzählt: "Um hier helfen zu können, hat unsere Firma vier Baustellen in der Region eingestellt. Im Endeffekt verliert die Firma dadurch Geld. Aber egal - die Menschen in Braunsbach zu unterstützen, geht einfach vor."

Wie schwer hat Sie das Unwetter erwischt?

Nur wenige Meter weiter bilden Schüler der Freien Waldorfschule Schwäbisch Hall eine Kette und reichen sich Eimer voll Matsch. Laurin Dickreiter, ein Lehrer der Neuntklässler, erklärt: "Die Kinder fahren jeden Tag - 14 Kilometer! - mit dem Fahrrad hierher, um zu helfen. Sie sind den ganzen Tag am Schaffen, von frühmorgens bis abends. Sie leisten wirklich einen großen Part. Unsere Schüler sind super motiviert, man muss sie schon fast bremsen!"

Gegen 11:45 Uhr riecht es in den zerstörten Straßen nach Essen. Es kommt aus einem kleinen Gebäude. In einem großen Raum sind ein paar Biertisch-Garnituren aufgebaut. In diesem Haus war - vor dem Unwetter - ein kleiner Lebensmittelladen, "D'Schwarz". Hinter einer Art Tresen stehen zwei Frauen. Pia Herzog-Schmidt und Iris Riegele schöpfen Maultaschensuppe in Plastikschalen. Außerdem gibt es verschiedenes Gebäck und Paletten voll mit Getränkekisten.

Pia Herzog-Schmidt: "Wir sind dankbar, dass wir selbst nicht betroffen sind." Die beiden kommen seit dem ersten Tag um den Helfern Essen auszuteilen. Sie fügt hinzu: "Das Essen und die Getränke werden gespendet. Wir hatten schon asiatisches Essen, der Gasthof "Sonneck" hat gespendet und auch das KFC in Schwäbisch Hall."

Die Helfer sitzen zusammen und schlürfen ihre Suppe. Draußen fährt mal wieder ein Vierachsen-Lkw mit Schutt beladen vorbei. Auch wenn diese Lkw von Montag bis Sonntag, von sieben Uhr in der Früh bis acht Uhr am Abend, durch den Ort donnern und rund sieben Fuhren Geröll - pro Lkw! - jeden Tag abtransportieren, bleibt Braunsbach weiterhin stark. Auch wenn es noch Lichtjahre von der Normalität entfernt ist.

Von Marc Thorwartl und Melanie Schmidt

Mehr zum Thema:

Schätzung: Mehr als 100 Millionen Schaden in Braunsbach

Ein Dorf packt an: Braunsbach räumt auf

Marc Thorwartl

Marc Thorwartl

Als Reporter bei den "Falken" immer auf Puckhöhe, auch auf regionalen Veranstaltungen mittendrin. Kolumne: "Eiskalt".

E-Mail:marc.thorwartl@echo24.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare