Jonas Vogel aus Abstatt ist einer von drei deutschen Brauer-Wandergesellen

Auf der Walz mit Hopfen und Malz

+
Jonas Vogel (links) aus Abstatt wird am Anfang von seinem Altgesellen Ingo Alex begleitet.

Kein Handy, kein Fernseher – dafür aber Freiheit und jede Menge (Selbst-)Erfahrung. Auf ins Abenteuer!

Die Grundlagen des Bierbrauens hat er in Fleisch und Blut. Wie aus Wasser, Hopfen, Malz und Hefe ein leckeres Pils oder Export entsteht, hat Jonas Vogel aus Abstatt bei der Eppinger Palmbräu gelernt. "Die Bierwelt bietet aber noch so viele weitere Rezepte und Methoden – und die will ich kennenlernen", sagt der 24-Jährige.

Bloßer Austausch mit Kollegen oder Bücherstudium – schön und gut. Aber im Handwerk zählt die Praxis. Der Brauergeselle betont: "Es muss rocken." Und deshalb ist Vogel seit diesem Montag auf der Walz – als nur einer von drei Brauer-Wandergesellen in Deutschland. Wohin es ihn dabei in den nächsten drei Jahren und einem Tag verschlägt, weiß er selbst noch nicht. Klar ist nur: "Ich möchte Erfahrung sammeln. Biere sind je nach Region völlig unterschiedlich." Sein Handwerk versteht er, jetzt gilt's, die Details zu verfeinern.

Dass die Walzzeit nicht einfach wird, ist Jonas Vogel klar. Er ist ohne Handy unterwegs, darf für Mobilität kein Geld ausgeben und muss – falls er keine Unterkunft findet – auch mal unter freiem Himmel übernachten. Kontakt mit der Heimat gibt's nur sporadisch. "Der Bannkreis beträgt 50 Kilometer. Näher darf ein Wandergeselle seiner Heimat während der Walz nicht kommen", erklärt Ingo Alex. Der 28-jährige Ulmer ist Jonas Vogels Altgeselle und begleitet ihn auf den ersten drei Walzmonaten. Alex erinnert sich: "Es ist am Anfang nicht leicht, vor Ort Arbeit zu finden. Ich habe mittlerweile Kontakte und kann Jonas den Start erleichtern." Alex ist seit mehr als drei Jahren unterwegs und war während dieser Zeit auch schon in Rumänien tätig.

Seine Walz hat Alex noch nie bereut: "Ich habe auch schon auf Baustellen gearbeitet und Dinge gemacht, mit denen ich daheim nie in Kontakt gekommen wäre." Oft kommt er in Brauereien, wo Not am Mann herrscht. Da wird er mit offenen Armen empfangen. "Ich übernachte beim Arbeitgeber oder einem seiner Verwandten." Als Lohn verlangt er den ortsüblichen Tariflohn, wenn er sich in Kluft, mit Hut und Charlottenburger vorstellt. Für Alex hat die Walz vier Teile: "Man entwickelt sein Handwerk weiter, lernt völlig Neues, verbessert seine Menschenkenntnis – und hat vor allem jede Menge Gelegenheit, sich in der Fremde selbst besser kennenzulernen." Denn das Wichtigste liegt immer noch bei einem selbst. Durch die ständig wechselnde Umgebung kehrt sich dieser Kern hervor. Altgeselle Alex hat viele Biere während der Walz kennengelernt. Doch in einem ist er sich sicher: "Das beste Bier ist mein selbstgebrautes."

Daniel Hagmann

Daniel Hagmann

Als Reporter in der Region unterwegs. Hauptinteressen: Kunst, Kultur und Kokolores im echo24-Land. Kolumne: "Nachgehagt".

E-Mail:daniel.hagmann@echo24.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare