Nach München

Winnenden! Intensive Erinnerungen an den Amoklauf 

Der brutale Amoklauf in München weckt Erinnerungen in Winnenden.

Der Amoklauf 2009 in Winnenden war schrecklich und hat die Seelen vieler Menschen extrem belastet. Jetzt das: der Amoklauf in München. Außer dem grausamen Ereignis verbindet die Orte aber noch mehr. Der Täter von Winnenden galt dem Amokläufer im Einkaufszentrum am Olympiapark als Vorbild.

Die schrecklichen Ereignisse wühlen die Menschen in Winnenden auch deshalb wieder auf. "Nach dem Anschlag waren die Menschen hier verängstigt. Es hat lange gedauert, bis die Leute wieder 'normal' waren," erzählt Daniel Raiano. So wie viele weitere Bürger, die sich an diesem Vormittag in der Fußgängerzone der Kleinstadt äußern, hat auch Raiano damit gerechnet, dass so etwas Schreckliches wieder passieren würde. 

Bettina Baer sagt stellvertretend: "Verhindern kann man sowas nicht. Was passieren soll, das passiert eben."

Astrid Hahn kann mit solchen Aussagen wenig anfangen. Sie selbst ist eine Betroffene. Die ehemalige Rektorin an der Albertville-Realschule in Winnenden hat den Amoklauf hautnah erlebt.

Heute noch ist sie erschüttert: "Im Grunde genommen erinnere ich mich täglich an die Ereignisse in unserer Schule. Für jeden ist ein Amoklauf ein fürchterliches Ereignis, was einen aus der Bahn werfen kann." Bis heute kann und will Astrid Hahn nicht vergessen. Allerdings trägt der Vorfall in München dazu bei, dass sie noch intensiver über Winnenden nachdenkt.

Sieben Jahre nach dem Blutbad, das der Täter in dem kleinen Ort im Rems-Murr-Kreis angerichtet hat, stellt sich die Frage: Was hat die Gesellschaft gelernt? Die ernüchternde Antwort von Hahn: "NICHTS!"

Werden Trittbrettfahrer verhindert, wenn Täter anonym bleiben?

"München ist ein Parallelfall zu Winnenden", sagt Astrid Hahn. Wieder hat ein psychisch instabiler Täter Jugendlichen das Leben genommen. Wieder war es ein erweiterter Suizid. Und wieder war der Täter in psychologischer Betreuung. Was läuft also falsch?

Es scheint so, als hätte sich wenig getan. Hätte die Tat in München also verhindert werden können? Das ist schwer zu sagen. Astrid Hahn meint, dass die Polizei nicht mehr tun könne.

Aber mehr Psychologen oder bessere Betreuung für die Jugendlichen wären notwendig! Viele junge Leute wissen nicht, wohin mit ihren Problemen. Oft fehlt ihnen dabei auch der Rückhalt im familiären Umfeld. Aus einer scheinbar ausweglosen Situation entwickelt sich Hass. Hass, der scheinbar keine Grenzen kennt und die Täter zum äußersten gehen lässt.

Bei allen Vorsichtsmaßnahmen kann eine solche Tat nicht immer verhindert werden. Doch wenn sich so ein grausamer Vorfall ereignet, wäre es laut Hahn wichtig, angemessen zu reagieren: "Die Täter dürfen nicht wie Helden behandelt werden. Sie sollten kein Forum haben. Die Opfer dagegen sollten im Mittelpunkt stehen."

Das bedeutet: kein Name und kein Bild. Der Täter sollte anonym bleiben. So kann vielleicht auch besser verhindert werden, dass es andere den Amokläufern gleichtun. Denn ohne Identität gibt es auch keine Vorbilder.

Nach einer Tat wie dieser sollte der Fokus auf die Opfer gelegt werden. Sie sind die Leidtragenden dieser Anschläge und leiden oft ihr ganzes Leben darunter. In Winnenden und jetzt auch in München.

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Von Jasmin Stirn und Melanie Schmidt

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