Schluss mit kostenlos

Schluss mit kostenlos: Plastiktüte bekommt Seltenheitswert

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Immer weniger Menschen nutzen Plastiktüten. Foto: Franziska Kraufmann

Immer mehr Handelsunternehmen verlangen für die umweltschädlichen Tragetaschen eine Gebühr. Manche haben sie sogar ganz aus ihren Geschäften verbannt. Der Umwelt dürfte das gut tun. Erste Zahlen zeigen: Es werden jetzt deutlich weniger Plastiktüten verbraucht.

Berlin (dpa) - Über Jahrzehnte gehörte sie zum Einkauf ganz selbstverständlich dazu: Die kostenlose Plastiktüte, mit der Kunden die neuerworbene Hose aus dem Kaufhaus, den aktuellen Roman aus dem Buchladen oder das Medikament aus der Apotheke nach Hause tragen konnten. Doch das ist Vergangenheit.

Denn immer mehr Handelsunternehmen in Deutschland verlangen für die umweltschädlichen Tragetaschen eine Gebühr oder haben sie sogar ganz aus ihren Läden verbannt. Die Zahl der Handelsunternehmen, die sich verpflichtet haben, in Zukunft für die umweltschädlichen Tragetaschen Geld zu verlangen, erhöhte sich nach Angaben des Handelsverbandes Deutschland (HDE) in den vergangenen Monaten von 260 auf rund 350. "Da ist richtig Bewegung drin", sagt Kai Falk, Sprecher des Einzelhandelsverbandes Deutschland (HDE), der Deutschen Presse-Agentur.

Der Handelsverband Textil (BTE) geht sogar davon aus, dass deutlich mehr Unternehmen bei der Aktion mitmachen als auf der offiziellen Liste des HDE auftauchen. Einigen Händlern seien die mit der Selbstverpflichtung verbundenen Meldeauflagen einfach zu groß, meint BTE-Sprecher Axel Augustin. Deshalb verzichteten sie auf die formelle Anmeldung.

Mit der freiwilligen Selbstverpflichtung will der Handel eine EU-Richtlinie umsetzen, wonach der jährliche Verbrauch von Kunststoff-Tragetaschen bis Ende 2025 von zuletzt 71 auf höchstens 40 Tüten pro Kopf sinken soll. Die Vereinbarung war im April von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) und HDE-Präsident Josef Sanktjohanser unterzeichnet worden.

Die ersten Erfahrungen der Unternehmen zeigten, dass mit der Einführung einer Gebühr die Nachfrage nach Plastiktüten deutlich sinke, betont HDE-Sprecher Falk. "Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir die Reduzierungsziele erreichen."

Eine Umfrage der dpa unter teilnehmenden Unternehmen scheint das zu bestätigen. Die Elektronikkette Saturn, die bereits 2015 die kostenlose Plastiktüte abschaffte, berichtet, der Tütenverbrauch sei danach um 90 Prozent zurückgegangen. "Die meisten Kunden verzichten komplett auf eine Tüte. Aber die Produkte sind bei uns in der Regel ja auch gut verpackt", sagt eine Unternehmenssprecherin.

Der Textilhändler C&A berichtet von einer Halbierung der Zahl der ausgegebenen Tragetaschen nach der Einführung der Plastiktütengebühr. "Die Kunden bringen ihre Tragetaschen mit, und wir packen dann die Sachen dazu", erklärt eine Unternehmenssprecherin.

Auch der Kaufhof betont, die Nachfrage nach Plastiktüten sei "merklich gesunken", seitdem man im Mai begonnen habe, eine Gebühr von 10 bis 25 Cent pro Tüte zu kassieren.

Viele Apotheken haben inzwischen ebenfalls der Plastiktüte den Kampf angesagt. Nach einer Branchenumfrage des Instituts für Handelsforschung (IFH) haben bereits mehr als die Hälfte der Apotheken eine Gebühr eingeführt oder planen diesen Schritt. Doch unumstritten ist dieses Vorgehen in der Branche nicht. Jeder vierte Apotheker sei der Meinung, dass Plastiktüten wesentlich zur Diskretion beim Medikamentenkauf beitrügen und daher nicht kostenpflichtig sein sollten, heißt es in der Studie.

Wie man den Kampf gegen die umweltschädlichen Kunststofftaschen mit sozialem Engagement verbinden kann, zeigt unterdessen das Modehaus Baltz in Bochum. Das 1827 gegründete Unternehmen will den Erlös aus der Plastiktütengebühr nicht in die eigene Tasche stecken. Deshalb bittet es stattdessen um eine freiwillige Spende in Höhe von 20 Cent pro Plastiktüte. Der Erlös soll in diesem Jahr dem Deutschen Kinderschutzbund zugute kommen.

IFH-Studie zu Apotheken

Modehaus Baltz zum Umgang mit Plastiktüten

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