Heute wird Mama groß gefeiert

Muttertag: Schöne Tradition oder ausgedientes Klischee?

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Nicht jede Mutti freut sich am Muttertag über Blumen. Manche Frauen finden, dieser Tag reduziert sie nur auf die Mutterrolle. Foto: Patrick Lux

Fürth - Auf den ersten Blick scheint der Muttertag kein kontroverses Thema. Kinder machen ihren Müttern eine Freude - was kann daran falsch sein? Doch es gibt auch triftige Gründe, den Tag nicht zu feiern. Was spricht dafür, was spricht dagegen?

Ob ein Strauß Blumen oder mal im Haushalt helfen: Am Muttertag (8. Mai) wollen viele Kinder ihre Mutter ehren und sich bei ihr bedanken. Doch sollte man den Muttertag überhaupt feiern?

Gegner finden, der Tag bediene ausgediente Rollenklischees. Befürworter argumentieren, es sei eine schöne Familientradition. "Jede Familie muss individuell schauen, ob sie den Tag feiert", sagt Andreas Engel von der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung. Einige Argumente, die dafür und dagegen sprechen:

Pro:

Besonders kleine Kinder freuen sich, an diesem Tag ihrer Mutter etwas Gutes zu tun. "Der Tag kann ein Ausdruck kindlicher Bindung an die Mutter sein", sagt Engel. Für die Kleinen trifft der Tag mitten ins Herz: Sie zeigen ihrer Mutter, wie gern sie sie haben und sind glücklich, wenn Mama sich freut. Vielen Kindern macht es Freude, etwas zu basteln und dann zu verschenken. "Kinder gehen ganz offen und naiv auf diesen Tag zu", erklärt Engel. Auch wenn sie eigentlich wegen etwas sauer auf die Mutter sind, vergessen sie das an diesem Tag.

Wer sich an der Kommerzialisierung des Tages durch die Blumenhändler stört, kann den Muttertag zum Beispiel für einen gemeinsamen Familienausflug nutzen. "Dann hat der Tag etwas, das die ganze Familie berührt und wird zum Gemeinschaftserlebnis", erklärt Engel. Das schafft schöne Erinnerung für alle. Außerdem ist es etwas, das besonders ältere Kinder anspricht, die vielleicht nicht mehr so gern basteln oder ihr Taschengeld nicht für Geschenke oder Blumen ausgeben möchten.

Kontra:

Die Idealisierung der Mutter an diesem Tag hat mit der Realität nichts zu tun, sagt Engel. "Frauen werden auf die Mutterrolle reduziert - das ist ein ganz konservatives Weltbild." Außerdem muss man sich fragen: Ist es wirklich sinnvoll, die Mutter an diesem einen Tag im Jahr ins Zentrum zu stellen? Wäre es nicht besser, sie das ganze Jahr über zu würdigen? "Wenn die Mutter an einem Tag so überhöht wird, ist das vielleicht auch ein Zeichen dafür, dass ihre Arbeit im Alltag mit Füßen getreten wird." Interessant ist auch der Vergleich mit dem Vatertag: Üblicherweise ziehen hier Männer mit reichlich Alkohol durch die Lande. "Das sind schon zwei sehr unterschiedliche Herangehensweisen", sagt Engel.

Wenn Eltern den Muttertag in der Familie nicht feiern möchten, sollten sie ihren Kindern die Gründe dafür erklären und deutlich machen, was sie stört. "Gerade bei kleineren Kindern ist das natürlich nicht leicht, weil sie das möglicherweise gar nicht verstehen", sagt Engel. Wenn dann etwa im Kindergarten noch gemeinsam für den Muttertag gebastelt wird, ist es umso schwieriger. "Es ist gut, wenn in der Familie eine innere Distanz zu dem Tag geschaffen wird." So können Eltern ihm eine neue Bedeutung geben - weg von dem, was sie eigentlich daran stört. Der Muttertag kann etwa einfach zum Familientag werden.

Statistik zum Muttertag

- 29,4 Jahre alt ist eine Mutter in Deutschland durchschnittlich bei der Geburt ihres ersten Kindes (Stand 2015).

- 682 069 Kinder haben Mütter in Deutschland im Jahr 2013 lebend auf die Welt gebracht.

- 549 Mütter waren 2013 in Deutschland bei der Geburt ihres Babys 15 Jahre alt und jünger.

- 87 Mütter waren 2013 in Deutschland bei der Geburt ihres Babys 50 Jahre alt und älter.

- Rund 2,3 Millionen Mütter waren 2013 in Deutschland alleinerziehend. Zum Vergleich: Etwa 385 000 Väter waren im selben Zeitraum alleinerziehend.

- Sechs Kinder, vier Mädchen und zwei Jungen, hatte eine Mutter 2008 in Berlin auf die Welt gebracht. Die Sechslinge waren damals die ersten in Deutschland seit 1988.

- 64 Jahre alt war eine Mutter in Bayern, die 2007 ein Kind gebar.

- 12 Jahre alt war ein Mädchen, als es 2006 in Hamburg einen Jungen zur Welt brachte.

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