Unsere Vorab-Kritik

Tatort heute aus Köln: Wie gut ist der neue Fall? 

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Schenk und Ballauf (Dietmar Bär und Klaus J. Behrendt, r.) ermitteln im Umfeld von Menschen, die aus dem Kongo geflüchtet sind. Théo Wangila (Jerry Kwarteng, l.) zeigt seine Narben.

Köln - Manche Narben sitzen so tief, dass sie nie mehr geheilt werden können - körperliche und seelische. Der Tatort aus Köln beschäftigt sich mit dieser Thematik. Ein Grund spricht fürs Einschalten, einer dagegen.

Update vom 23. September 2016: Können es die Münsteraner vielleicht doch noch? Wir haben den Tatort aus Münster vorab angeschaut und sagen: Ja, sie können.

Update vom 3. Juni 2016: Am Sonntag, 5. Juni, läuft der dritte Fall der Kommissare Robert Karow und Nina Rubin. In unserer Vorschau erfahren Sie, warum der neue Tatort aus Berlin "Wir - Ihr - Sie" gut ist

Das ist die Geschichte: Ein Arzt wird ermordet aufgefunden. Er war verheiratet, hatte eine Affäre. Vielleicht war es also der Klassiker, mutmaßt Freddy Schenk (Dietmar Bär): "Attraktiver Weißkittel bringt sich mit Frauengeschichten in tödliche Schwierigkeiten." Max Ballauf (Klaus J. Behrendt): "Ich wusste gar nicht, dass du Arztromane liest." Schenk: "Ärztin, Pflegerin, Patientin - ein bisschen was geht immer." Ballauf: "Gut, dass du keine Vorurteile hast." Schenk: "Das ist das wahre Leben, Max, ich sag's dir."

Vorurteile und das wahre Leben und ein Arzt, der aus dem Kongo kommt - da könnte es aber auch um Fremdenhass gehen. Schenk und Ballauf beginnen zu ermitteln und wissen anfangs erst einmal gar nicht, wo sie überhaupt ansetzen sollen. Alles und nichts scheint hier möglich.

Alles und nichts - kann das gut gehen? Wie ist der neue Tatort aus Köln?

Tatort heute Abend aus Köln: Ahnung, wie es Menschen im Kongo geht

Ein Grund spricht für das Einschalten: Das Thema ist aktuell. Es geht um Menschen, die aus ihrem Land fliehen - um Flüchtlinge und um solche, die aus anderen Gründen weggehen. Doch das Interessante daran ist eigentlich die Tatsache, dass der Kölner Tatort von April bis Mai 2015 gedreht worden ist. Also bevor die Flüchtlingskrise Europa erreicht hatte. Der Tote kommt aus der Demokratischen Republik Kongo, die alles andere als demokratisch ist. Frauen und Kinder werden dort von Milizen gefangen genommen, verstümmelt, gefoltert, verschleppt. Das hinterlässt die fürchterlichen Narben, die die Menschen mitnehmen, auch wenn sie schon lange aus ihrem Land geflohen sind und in einem Land wie Deutschland eigentlich in Sicherheit sind. Der Tatort aus Köln zeigt einfühlsam, wie es einer Frau geht, die genau das erlebt hat - und die ihre beiden Mädchen zurücklassen musste.

Er zeigt aber auch eine ganz andere Seite. Nämlich die, dass nicht jeder Flüchtling ein Opfer ist - ein Umstand, der Kaus J. Behrendt besonders interessiert hat. "Wir erzählen die Einzelschicksale von zwei ermordeten Flüchtlingen aus dem Kongo", sagt der Schauspieler. "Und wir bekommen eine Ahnung, was sie in ihrem Land erlebt haben und was sie bewogen hat, nach Europa zu fliehen."

Tatort heute Abend aus Köln: Tote im Asylheim, alkoholkranke Ärztin

Ein Grund spricht gegen das Einschalten: Es ist ein großes Thema, das sich die Tatort-Macher vorgenommen haben. So groß, dass sie zu viel versucht und "Narben" teilweise überfrachtet haben. Zwar löst sich das Konstrukt am Ende relativ glaubhaft auf. Doch bis der Zuschauer an diesem Punkt angekommen ist, muss er jede Menge Erzählstränge verfolgen und verarbeiten: eine tote Frau im Asylheim, eine Ärztin, die trinkt, Frauen, die im Kongo (und auch in Köln) gefoltert werden. Eine Zeit lang scheint es auch noch so, als sei bei einem Polizeieinsatz im Asylbewerberheim einiges schief gelaufen. Daneben gibt es außerdem die Rahmenhandlungen um Max Ballauf, der seine Affäre pflegt, und um den noch relativ neuen Assistenten Tobias Reisser (Patrick Abozen), der sich in gefühlt jeder Folge vorwerfen lassen muss, nicht gut genug zu arbeiten, am Ende dann aber doch alles richtig gemacht hat. Das nervt.

Fazit: Die Geschichte von "Narben" ist gut, aber zu aufwändig erzählt. Wenn Sie den Tatort anschauen, müssen Sie also vor allem aufmerksam sein. Das allerdings lohnt sich. Denn der Zuschauer bekommt eine Ahnung davon, wie es Menschen gehen kann, die im Kongo geboren werden. Laut dem Auswärtigem Amt herrscht in der Demokratischen Republik Kongo "eine der schwersten humanitären Krisen weltweit". Etwa zwei Millionen Kinder, die noch keine fünf Jahre alt sind, haben nicht genug zu essen. 2,6 Millionen Menschen sollen auf der Flucht sein. Die Grausamkeit des Kongo bekommt im Tatort aus Köln ein Gesicht.

Tatort heute Abend aus Köln im TV

Der Tatort "Narben" läuft am Sonntag, 1. Mai, um 20.15 Uhr im Ersten und danach 30 Tage lang in der Mediathek.

Lesen Sie hier die letzten Tatort-Folgen nach: "Der treue Roy" aus Weimar, "Fünf Minuten Himmel" aus Freiburg, "Mia san jetz da wo's weh tut" aus München und "Die Geschichte vom bösen Friedrich" aus Frankfurt.

pak

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