"Familien Duell" auf RTLplus ohne ihn

Was macht eigentlich Werner Schulze-Erdel? 

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Werner Schulze-Erdel

München - RTLplus belebt an diesem Montag (5. September) das „Familien Duell“ wieder - allerdings ohne den langjährigen Moderator Werner Schulze-Erdel. Was macht der eigentlich?

In den 1990er-Jahren ging kaum etwas ohne ihn im deutschen Privatfernsehen: Werner Schulze-Erdel (heute 64) gehörte zu den bekanntesten Menschen auf dem Bildschirm, moderierte tausende Ausgaben der Quizshows „Ruck Zuck“ und „Familien Duell“. Heute lebt der gebürtige Münsteraner in München, und es ist ruhig um ihn geworden. Die Wiederbelebung des „Familien Duells“ an diesem Montag (5. September) auf RTLplus findet ohne ihn statt. Im Interview der Deutschen Presse-Agentur in München sagt er, das störe ihn nicht - und erzählt, was er am Fernsehen von heute nicht ausstehen kann.

Was halten Sie denn von der Idee, das „Familien Duell“ und „Ruck Zuck“ wieder aufzulegen?

Werner Schulze-Erdel: Ich behaupte heute noch, das sind zwei der besten Formate, die es auf der Welt gibt. Und warum sollte man die verstecken? Die sind großartig. Ich fand nur die Reinkarnation dieser Formate vor ein paar Jahren - mit C-Prominenten - absolut falsch, weil man das Format nicht ernst genommen hat. Damit verarscht man den Zuschauer. Das hat das Format nicht verdient. „Familien Duell“ ist kein Promi-Format, sondern es geht um ganz normale Leute, die Spaß haben, die nicht bloßgestellt werden und die aufgrund des Druckes - es geht ja um Zeit - schöne, blödsinnige Sachen von sich geben. Genial.

An welchen Blödsinn erinnern Sie sich heute noch? 

Schulze-Erdel: Vieles. Heute ist das „Familien Duell“ ja ein Youtube-Phänomen. Wenn ich in der Straßenbahn fahre, höre ich junge Leute, die damals noch gar nicht geboren waren, flüstern, und auf einmal kommt die Erkennungsmelodie vom „Familien Duell“ aus ihren Handys. Die lachen sich tot über solche Geschichten. „Was schlägt man? - Ein Kind!“ - „Ein farbenfrohes Tier - Ein Zebra!“, diese großen, blödsinnigen, herrlichen Antworten. Das ist doch Kult, das ist Fernsehgeschichte. Frage: Sie werden also heute noch auf der Straße erkannt? Antwort: Das kann man sich gar nicht vorstellen, dass ich nach so vielen Jahren noch eine solche Kultfigur bin. Ich hatte ja damals so Beschreibungen wie „Gameshow-König“, was ja auch stimmt. Einmal habe ich ein Upgrade gekriegt, weil die Schwester der Direktorin des Bellagio-Hotels in Las Vegas mal Kandidatin bei mir war. Einmal wurde ich von Götz Otto angesprochen, der ja einen James-Bond-Bösewicht gespielt hat und der mir sagte, er sei meinetwegen in Hollywood. Er hat als Kandidat bei mir das Geld für seine Schauspielschule gewonnen. Finanzminister Söder hat gesagt, er habe mit mir seine Doktorarbeit geschrieben. Manche sind mit mir schwanger geworden, andere waren mit mir krank. Wenn man jeden Tag im Wohnzimmer ist, wird man ein Bestandteil der Familie. Ob das heute noch so funktioniert, das weiß ich nicht.

Warum nicht?

Schulze-Erdel: Weil die Fernsehgewohnheiten sich total verändert haben. Wir hatten damals Marktanteile von über 52 Prozent - das muss man sich mal vorstellen. Heute läuft das „Familien Duell“ auf einem kleinen Spartensender - weil wohl doch noch der Mut fehlt. Da weiß ich nicht, ob es sich irgendwann rumspricht, dass es einen Sender gibt, der jetzt Gameshows macht. Aber zu gönnen wäre es den Sendungen. Ich finde es eine herrliche Alternative zu dem täglichen Einerlei des Trash- und Aufklärungs-TVs. Schrecklich.

Was stört Sie an diesem „Trash-TV“ besonders?

Schulze-Erdel: Es kann nicht sei, dass wir von Laien infiziert werden im ganzen Fernsehprogramm. Ich weiß, es ist billig, aber es interessiert mich nicht. Auch diese ganzen Dokus, „Die Geissens“ und so weiter. Das ist doch schrecklich. Da habe ich keine Lust zu.

Sie arbeiten heute unter anderem als Produzent und auch als als Coach für Nachwuchs-Moderatoren...

Schulze-Erdel: Ich habe ja über 5700 TV-Sendungen moderiert. Ich habe am Anfang - im Jahr 1984 - bei den Privaten alles moderieren dürfen - nicht nur Shows. Wir waren mutig, haben viele Fehler machen dürfen. Dieses Wissen gebe ich weiter - quasi als Mutmacher, damit die jungen Menschen neben aller beruflichen Qualifikation auch Mut haben, so zu sein, wie sie sind. Ein Moderator wird fast immer allein gelassen und auch der erfahrenste Moderator macht mal Fehler. Aber wer sagt es ihm? Oftmals überforderte Redakteure. Es gibt leider kein richtiges System, dass man sich um begabte, kluge junge Leute nachhaltig kümmert. Da ich früher ein schlechter Schüler war, bin ich heute - so glaube ich - ein guter Lehrer.

Hätten Sie sich denn vorstellen können, das „Familien Duell“ auch selber nochmal zu machen?

Schulze-Erdel: Schauen Sie, ich bin Rentner. Ich hab schon die erste Rentenerhöhung gehabt. Was soll so ein alter Sack wie ich auf dem Fernsehbildschirm? Das Fernsehen geht auch weiter ohne mich. Ich habe eine Stiftung gegründet. Mein Jugendfreund Udo Lindenberg, Peter Maffay und Otto Waalkes unterstützen mich und da bin ich ausgefüllt. Außerdem habe ich das große Glück, auch bei vielen Angeboten Nein sagen zu können. Ich muss mich nicht verdrehen und muss nicht in den Dschungel gehen oder shoppen oder so'n Scheiß. Das bin ich nicht. Ich war der Werner, der Gameshow-König, eine Kultfigur die es zu bewahren gilt - Aber ob dieser Werner heute noch in die Fernsehlandschaft passt? Ich weiß es nicht, aber ich muss es auch nicht mehr beweisen! Früher, als ich noch katholischer Messdiener in Münster war, wollten alle in den Himmel, heute wollen alle ins Fernsehen. Ich war schon im Fernsehen - jetzt will ich nur noch in den Himmel.

Kurzportrait von Werner Schulze-Erdel: Jahrelang gehörte Werner Schulze-Erdel (heute 64) zu den bekanntesten Menschen im deutschen Fernsehen. Er moderierte die Show „Ruck Zuck“ und schrieb in den 1990er Jahren mit dem „Familien Duell“ Fernsehgeschichte. Inzwischen ist es ruhig geworden um ihn. Er lebt in München und ist heute als TV-Produzent und Moderatorentrainer tätig.

dpa

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