Überdeutliche Pointen

„Maggies Plan“: Buchstabierte Gefühle

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Leinwandgöttin für denkende Menschen: Greta Gerwig (li.) als Maggie, hier mit Julianne Moore als Georgette.

München - Die smarte, sympathische Komödie „Maggies Plan“ hat einen Hang zur Überdeutlichkeit. Hinter der Titelheldin verbirgt sich ein wahrer Kontrollfreak. 

Ein bisserl ist es Etikettenschwindel – „Maggies Pläne“ wäre ein noch passenderer Titel gewesen. Denn hinter dem schusseligen Auftreten der Titelheldin verbirgt sich ein wahrer Kontrollfreak. Und wie naiv wohlmeinend sie dabei ist, macht die Sache nicht besser. Ihr erster Lebensplan: Mutter werden, ohne sich einen Mann aufzuhalsen. Doch kaum hat sie einen Freund zur Samenspende überredet, platzt John (Ethan Hawke) in ihr Leben und mit ihm die unverhoffte Liebe.

Drei Jahre später steht auch das Projekt Ehe wieder vor dem Aus. Zu sehr ist Literaturwissenschaftler John mit den Geburtswehen seines ersten Romans beschäftigt. Aber eine einfache Scheidung ist nichts für Maggie. Sie strickt an einem Plan, John wieder mit seiner Ex-Frau (als dominante dänische Eiskönigin mit Dutt: Julianne Moore) zusammenzubringen.

Man könnte bei „Maggies Plan“ auch anderweitig an eine Fehletikettierung glauben. Die komödiantischen Lebenslektionen einer Mittdreißigerin im New Yorker Hipster- und Akademikermilieu, mit Greta Gerwig, der Leinwandgöttin für denkende Menschen, in der Hauptrolle – das wirkt schon sehr wie ein Film von Woody Allens legitimem Erben Noah Baumbach („Frances Ha“).

Von der Warte der Liebeskomödie in der US-Massenware (Hollywoods wahrem Horror-Genre) aus gesehen, ist das alles smart, sympathisch und schön. Aber Rebecca Miller hat mit ihrem bisherigen Werk als Regisseurin und Autorin („Pippa Lee“) die Ansprüche sehr hoch gelegt. Da erwartet man auch bei ihrem ersten dezidierten Ausflug ins Komödiantische bei aller Leichtigkeit kein Leichtgewicht. Man erwartet vielmehr, wenn schon die Akademiker im Film über Familien als Konstrukt dozieren, mehr Reflexion. Der Film sollte demnach seine eigene Lektion beherzigen. Denn seine größte Schwäche ist ein Hang zur Überdeutlichkeit. Nicht nur bei der Schlusspointe – von so langer Hand vorbereitet, dass eine Andeutung statt des Holzhammers genügt hätte. Alle Figuren buchstabieren stets ihre Motivationen und Gefühle. Julianne Moore ist die Einzige im ganzen großartigen Ensemble, der ein Moment vergönnt ist, in dem sie stumm, nur mit Blick und Geste von verborgenen Ebenen ihrer Rolle sprechen darf. „Maggies Plan“ ist folglich ein Film darüber, dass man Dinge geschehen und zulassen soll – obwohl ihn selbst ein enormer erzählerischer Kontrolleifer treibt.

„Maggies Plan“

mit Greta Gerwig, Ethan Hawke Regie: Rebecca Miller Laufzeit: 98 Minuten

Sehenswert

Dieser Film wird Ihnen über die Zeit bis zum nächsten Noah- Baumbach-Film hinweghelfen.

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