Krebsdrama

„Im Himmel trägt man hohe Schuhe“: Gehadert und gerungen

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Vertraut: Jess (Drew Barrymore, li.) und Milly (Toni Collette).

München - Catherine Hardwicke vermeidet in ihrem Krebsdrama „Im Himmel trägt man hohe Schuhe“ geschickt die Fallstricke des Genres.

In den vergangenen Jahren hat sich das Genre des Krebsdramas entwickelt, in dessen Mittelpunkt immer ein unheilbar Kranker, dessen ungewöhnliche Pläne für die verbleibende Lebenszeit und dessen mehr oder weniger offen zur Schau gestelltes Leiden stehen. Da wird gehadert und gerungen, geweint und gelitten – die ganz großen Emotionen eben. Kamerakünstler setzen all ihr Talent ein, es zirpen einzelne Geigen oder lärmen riesige Orchester, je nach aktueller Befindlichkeit des Protagonisten.

Umso schöner erscheint es da, dass die Regisseurin Catherine Hardwicke in der britischen Produktion „Im Himmel trägt man hohe Schuhe“ diese Fallstricke anfangs stilsicher zu vermeiden weiß. Hardwicke, deren erster „Twilight“-Film bis heute der beste ist und deren fulminantes Teeniedrama „Dreizehn“ im Jahr 2003 Maßstäbe setzte, nähert sich dem Themenfeld Krankheit und Tod unbefangen und sehr lebensnah. Sie bleibt dicht dran an den langjährigen Freundinnen Jess (Drew Barrymore) und Milly (Toni Collette), zeigt ihre Vertrautheit, ihre Lebenslust, aber sehr einfühlsam auch das langsame Auseinanderleben angesichts des schweren Schicksalsschlages.

Milly kämpft sich durch ihre zermürbende Brustkrebsbehandlung, die Hardwicke sehr ungeschminkt abbildet. Gleichzeitig wird Jess, seit Langem ungewollt kinderlos, endlich schwanger. Doch sie wagt nicht mehr, ihr Glück mit der todkranken Freundin zu teilen.

Von diesem dramaturgischen Einfall an beginnt der Film allmählich zu erodieren. Das Miteinander der Frauen verschwindet, aber Hardwicke und Drehbuchautorin Morwenna Banks fügen auch keinen neuen Aspekt hinzu. Stattdessen beginnt ein hübsch bebilderter Tanz um eine inhaltliche Leerstelle. Szenen mit spannendem Konfliktpotenzial werden zu schalen Pointen verbogen, und die anfangs sehr überzeugenden Figurenzeichnungen stimmen nicht mehr.

„Im Himmel trägt man hohe Schuhe“

mit Drew Barrymore, Toni Collette, Paddy Considine

Regie: Catherine Hardwicke Laufzeit: 112 Minuten

Sehenswert

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