Schöne Idee, aber...

"Ghostbusters": Von allen guten Geistern verlassen

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Sie haben nicht nur das Zeug zu Geisterjägern – die Schauspielerinnen (v. li.) Leslie Jones, Melissa McCarthy, Kristen Wiig und Kate McKinnon sind auch das Beste am neuen „Ghostbusters“-Film. Dem Quartett wäre ein pointierteres Drehbuch und eine mutigere Regie zu wünschen gewesen. 

München - Regisseur Paul Feig verspielt die Chance, „Ghostbusters“ wiederzubeleben – trotz glänzend aufgelegter Darstellerinnen. Den vier Damen hätten wir ein gutes Skript gewünscht.

Ach, mit den Geistern der Vergangenheit hat es niemand leicht. Echte Biester können das sein, die keine Ruhe geben, die nerven und selbst nach Jahren noch im Mittelpunkt stehen wollen. Andere wiederum wecken Erinnerungen – arg sentimental und wehmütig kann das enden. Der schrecklichste Spuk aber ist jener, der nichts ist. Eine große Leere, die beim Betrachter nur dieses hervorruft: Traurigkeit, Langeweile.

Als 1984 „Ghostbusters“ in die Kinos kam, begeisterte der Film mit seiner Mischung aus Science-Fiction, Fantasy und Komödie. Ivan Reitman jagte seine stets am Anschlag agierenden, glänzend aufgelegten Schauspieler durch eine zwar schlichte, doch stimmige Dramaturgie. Und alles Paranormale ließ der Regisseur von seinen Trickspezialisten eindrucksvoll animieren – zumal, wenn man den Stand der Technik damals bedenkt.

Das Publikum liebte „Ghostbusters“, weil die Produktion unterhaltsames Popcornkino war und auf harmlose Art den Zeitgeist spiegelte: die Angst der Menschen vor einer unbeherrschbaren Bedrohung (seien es im Film die Geister oder das atomare Säbelrasseln während des Kalten Kriegs), aber auch die Bändigung jener Gefahr durch die Segnungen der und den unbedingten Glauben an die Technik, wie er Anfang der Achtziger im Westen gelebt wurde.

Seit Jahren schon geisterte die Idee einer Neuverfilmung durch Hollywood, Stillstand und Aktionismus wechselten sich in schöner Reihenfolge ab. „Brautalarm“-Regisseur Paul Feig hat letztlich den Zuschlag bekommen und entschieden, die Geschichte mit Geisterjägerinnen wiederzubeleben. Unflätiges, Dummes und Hass folgten – vor allem im Internet – auf diese Ankündigung. Wohlgemerkt, die Empörung vieler Fans entzündete sich nicht an der Tatsache, dass Feig den Originalfilm von 1984 einfach nochmal gedreht hat. Das wusste damals nämlich keiner.

Der Aufschrei galt einzig dem weiblichen Darsteller-Quartett. Dabei sind Melissa McCarthy, Kristen Wiig, Kate McKinnon und Leslie Jones das Beste am neuen „Ghostbusters“-Film. Wie sehr wäre diesen vier Schauspielerinnen ein gutes Skript mit pointierten Dialogen und eine packendere Regie zu wünschen gewesen. Doch Feig, der zusammen mit Katie Dippold auch das Drehbuch geschrieben hat, traut sich nicht. Stattdessen hangelt er sich an der Vorlage von einst entlang: Die Ghostbusters, individuell verschieden, doch gemeinsam stark, werden belächelt ob ihrer Warnungen vor dem Paranormalen. Die Dämonen nutzen die Ignoranz der Öffentlichkeit, um immer mächtiger zu werden. Als sie die Stadt im Griff haben, sind die verspotteten Geisterjäger die letzte Chance auf Rettung.

McCarthy, Wiig, McKinnon (eine echte Entdeckung!) und Jones gelingt es stellenweise tatsächlich, den hölzernen Dialogen so etwas wie Esprit abzupressen. Auf der Habenseite des Films stehen außerdem die schrägen Gastauftritte – etwa von Black-Sabbath-Legende Ozzy Osbourne, aber auch von Bill Murray, Dan Aykroyd und Sigourney Weaver; alle drei waren bereits 1984 dabei. Darüber hinaus hatte das Autorenduo jedoch nur eine gute Idee: Alle Männerfiguren sind hier entweder dumm oder doof – im besten Fall kombiniert mit Muskeln wie bei Chris Hemsworth, der sichtlich Spaß an seinem Einsatz als unterbelichtete Sexfantasie und Sekretär der Geisterjägerinnen hat. Somit dreht „Ghostbusters“ das Muster vieler Hollywoodfilme einfach um.

Doch eine mutige Entscheidung trägt nicht über knapp zwei Stunden. Schon gar nicht, wenn sie oft uninspiriert umgesetzt wird. Charmebefreit sind auch all jene Spukwesen, mit denen es das Quartett zu tun bekommt: Waren sie 1984 individuell gestaltet, sind sie 2016 nur mehr Zielscheiben. Geister der Vergangenheit. Ach.

„Ghostbusters“

mit Melissa McCarthy, Kristen Wiig, Kate McKinnon, Leslie Jones Regie: Paul Feig Laufzeit: 116 Minuten

Erträglich

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