Unser Film der Woche

„Ein Hologramm für den König“: In der Wüste gestrandet

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Wie ein Außerirdischer fühlt sich Alan Clay. Tom Hanks spielt den des Lebens Müden, der hofft, mit dem König von Saudi-Arabien einen großen Deal abzuschließen.

München - Tom Tykwers „Ein Hologramm für den König“ ist ein meisterhafter Appell für das Annähern der Kulturen.

Vieles an diesem Film ist ungewöhnlich. Fangen wir mit dem Gewöhnlichen an. Tom Hanks spielt – darüber muss eigentlich kein Satz verloren werden – wie immer brillant. Sein knautschiges Gesicht, das stets so einen leicht ironischen Ausdruck von „Wo bin ich hier gelandet?!“ in sich trägt, ist wie gemacht für die Rolle des Alan Clay. Der ist ein tief gestürzter Mittfünfziger – Frau weg, Haus weg, Kohle weg –, der versucht, durch erfolgreiches Klinkenputzen beim König von Saudi-Arabien einen Neustart im Leben zu erreichen. „Tod eines Handlungsreisenden“ trifft auf „Lawrence von Arabien“.

Und schon wird’s ungewöhnlich. Denn man kennt sie ja zur Genüge, die amerikanischen „Gib niemals auf, dann schaffst du es“-Plattitüden, die wir von dramaturgisch immer gleich aufgebauten Hollywood-Blockbustern eingehämmert bekommen. Dieser Film ist anders.

Regisseur Tom Tykwer wirft seinen Protagonisten mitten hinein in die arabische Wüste. Wie ein Außerirdischer steht er da, im heißen Sand, Aktentasche in der Hand, an der er sich festklammert wie am amerikanischen Traum. Sie steht für eine geordnete Welt, in der man sich auf das, was laut Kalender ausgemacht war, verlassen kann. Die Welt, auf dessen goldenem Boden er gestrandet ist, ist anders. Denn der König, dem er eine innovative Technologie verkaufen soll, taucht nicht auf. Heute nicht, morgen nicht, übermorgen nicht. Die arabische Empfangsdame sagt das desinteressiert. Und das Verkäuferlächeln des Amerikaners verzieht sich Tag um Tag mehr zu einer aufgesetzten Grimasse.

Dieser Mann gerät an seine Grenzen, und das fern der Heimat. Mit seinen Augen erleben wir dieses chaotisch wirkende Land, belächeln westlich-arrogant und ärgern uns über die Unzuverlässigkeit und Rückwärtsgewandtheit seiner Bewohner. Zunächst. Denn gleichzeitig können wir und der vom Leben müde Clay uns dem Zauber dieser Welt, die wir aus arabischen Märchen kennen, nicht entziehen. Kameramann Frank Griebe verführt – auch das gewöhnlich großartig, wie er es bisher in allen Tykwer-Filmen tat – mit von Wüstenhitze flirrenden, von schwitzender Haut dampfenden, von sterilen Luxushotelzimmern glänzenden Aufnahmen.

Eine dänische Kollegin, die Clay kennenlernt, möchte ihn verführen. Es ist eine starke, weil wieder ungewöhnliche Szene. Nein, er lehnt ab. Es kommt nicht zum schnellen Sex. Der müde Mann, er mag nicht. Das ist authentisch, und man wünschte sich, dass mehr Regisseure Mut dazu hätten, das so echt zu inszenieren. Eine ehrliche Szene, die berührt.

Der Film ist vor allem dies: ein Appell für das Annähern der Kulturen. So wie sich Clay der arabischen Ärztin Zahra (Sarita Choudhury) annähert. Wie das Land, in dem sie lebt, ist sie nicht nach unseren hochgesteckten, oberflächlichen Idealen perfekt, ist nicht bildschön; sie ist interessant, anders – und genau deshalb faszinierend. Eine starke Frau, die nicht vom heldenhaften Amerikaner gerettet werden muss. Die Geschichte der beiden endet mit einer Wendung, die nicht nur außergewöhnlich ist – sondern vor allem wunderschön.

„Ein Hologramm für den König“

mit Tom Hanks

Regie: Tom Tykwer

Laufzeit: 98 Minuten

Hervorragend

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie arabische Märchen und großes Kino mögen.

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