Dokumentation mit Nelson Müller

Bier-Test im ZDF: So ernüchternd ist das Ergebnis

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Nelson Müller ließ für das ZDF Deutschlands Biersorten testen. 

Effeltrich - In Deutschland gibt es zahlreiche Biersorten und Brauereien. Doch schmeckt man diese Vielfalt auch? Das ZDF hat den deutschen Biermarkt ins Visier genommen - und eine ernüchternde Bilanz gezogen. 

500 Jahre Reinheitsgebot feiern die Deutschen dieses Jahr. Hopfen, Malz, Hefe und Wasser: mehr darf deutsches Bier per Gesetz nicht enthalten. Dennoch gibt es hierzulande, bedingt durch verschiedene Hopfen- und Brauarten, tausende Sorten auf dem Markt. 1388 Brauereien buhlen um die Gunst der Biertrinker. Doch kann man diese immense Vielfalt auch schmecken? Nelson Müller, der Moderator des Magazins "ZDF Zeit" hat am Dienstagabend den Versuch gewagt - und ist zu einem ernüchternden Ergebnis gekommen. "Wie gut ist unser Bier?" lautet die Frage, auf die der Moderator eine Antwort suchte. Dabei standen Geschmack, Preis und Sortenvielfalt auf dem Prüfstand.

Große Bierkonzerne dominieren den Markt

Um möglichst viele Biere testen zu können, dürfen Nelson Müllers Freunde zunächst einen Großeinkauf starten: im Supermarkt, an der Tankstelle und im Getränkeladen. Obwohl es in Deutschland theoretisch mehr als 6000 verschiedene Varianten gibt, landen nur wenige hundert in deutschen Supermärkten. Das hat mit einer Eigenheit des Biermarkts zu tun: Denn der wird von einigen wenigen, teilweise internationalen, Bierkonzernen wie Anheuser Busch (Becks, Franziskaner und Hasseröder) dominiert.

Müller spricht mit den großen der Branche, etwa dem Geschäftsführer der bayerischen Oettinger-Brauerei, Karl Liebl. Dieser verrät dem ZDF sein Erfolgsrezept: „Ich glaube, dass es in der Brauereilandschaft nur drei Konzepte gibt, die Erfolg haben. Das eine ist Lokalität/Regionalität, das andere ist globales Branding und die dritte Strategie, die wir verfolgen, ist im Low-Budget-Segment, und das funktioniert sehr gut“, sagte Liebl. 

Kaum Unterschiede bei Geschmack und Geruch

Dann folgt die Verkosten der verschiedenen Pilssorten. Die Testpersonen sollten sich mit Bier auskennen: Es handelt sich um den Trachtenverein Effeltrich aus Oberfranken, jener Region, in der deutschlandweit das meiste Bier getrunken wird. Doch die Unterschiede zwischen den unterschiedlichen Proben schmecken selbst die biererprobten Oberfranken nicht mehr. Auch alkoholfreies Bier erkennen nicht alle - und Becks halten sie für ein regionales Bier. 

Einen überrascht das nicht: den Lebensmitteltechniker Ulrich Nehring. In seinem Labor teste er die Biere auf ihre Stammwürze und die Bittereinheiten hin und kommt zu dem Ergebnis, dass die deutschen Pilssorten in diesen Punkten kaum voneinander variieren. Die Antwort darauf liefert der Hopfenbauer Josef Wittmann: Die Brauereien würden nur die Standardsorten kaufen, so Wittmann. Daher gebe es kaum Unterschiede beim Geschmack und Geruch. 

Der Preiskampf ist enorm

Schließlich bleibt nur noch der Preisvergleich und der kommt vor allem zu einem Ergebnis: Obwohl die Zutaten in den letzten Jahren teurer geworden sind, blieb der Preis pro Flasche gleich. Der Wettkampf auf dem Biermarkt ist also groß. „Bier sollte uns mehr wert sein“, lautet das Fazit von Nelson Müller.

ae

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