Kolumne: "Angerichtet"

Da flossen Tränen: Minenfeld schwäbische Küche

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Maultaschensalat ist eine leckere und leichte Alternative zur Suppe.

Wer da als Eingereister etwas nachkochen will, der muss ordentlich kämpfen.

Als Neigschmeckte hat man es im Schwabenland wirklich nicht immer leicht. Der Dialekt ist schwer zu verstehen und das mit der Kehrwoche muss man auch erst einmal lernen. Dafür ist das Essen deftig, gutbürgerlich und einfach super lecker. Aber da wäre dann schon das nächste Problem.

Denn die leckeren Gerichte nachzuzaubern ist für Hobbyköche gar nicht so einfach. Schließlich fehlen "Fremden" die Tricks der schwäbischen Oma. Trotzdem habe ich vor zwei Wochen den Versuch gewagt. Ein schwäbisches Menü - von der Vorspeise bis zum Nachtisch - zu kochen, das war eine richtige Herausforderung. Und das obwohl meine Testesser ein Thüringer, eine Hessin, eine Westfälin und drei Bergisch Ländler waren und von schwäbisch so gar keine Ahnung hatten.

Problem Nr. 1: Die Auswahl

Maultaschen, Spätzle, Zwiebelrostbraten, Filetpfanne, Fasnachtküchle, Laugengebäck - wo fange ich bloß an? Es soll ein Menü sein, also eine Vorspeise, ein Hauptgericht, ein Nachtisch. Maultaschen und Spätzle sollen in jedem Fall dabei sein. Soweit so gut, doch dann stehen schon die nächsten Schwierigkeiten an.

Problem Nr. 2: Suppe oder pur?

Zugegeben, die Maultaschen habe ich gekauft. Der größere Aufwand kam der Hauptspeise zu. Weil ich mich nicht entscheiden konnte, habe ich die Maultaschen einfach modern interpretiert. Kross und bräunlich angebraten gab's sie einfach on top auf einen frischen Salat. Dazu habe ich verschiedene Laugenteile gereicht.

Problem Nr. 3: Schaben oder pressen?

Oder anders gesagt: Spätzlepresse oder Spätzlebrett? "Wer es richtig macht, der schabt", sagte mir die nette Verkäuferin. Und ich wollte es ja beim Hauptgericht richtig machen. Also Schaber und Spätzlebrett gekauft und losgelegt? Ja, von wegen! Der richtige Teig musste her. Und man glaubt gar nicht, wie viele verschiedene Rezepte für Spätzle es im Internet gibt. Irgendwann habe ich einfach per russischem Roulette ausgewählt - und Glück gehabt. Dann ordentlich Muskelkraft verwendet und den Teig geschlagen. Hilft übrigens auch gegen Aggressionen beim Kochen;)

Kochen Sie gerne schwäbisches Essen?

Problem Nr. 4: Hitze

Der Teig war dann aber gar nicht so schlecht. Schön klebrig auf jeden Fall. Und siehe da: Sogar das Schaben klappte ganz gut. Naja, zumindest nachdem ich akzeptiert hatte, dass es meine Spätzle in dünn, mittel, dick und richtig fett geben wird. Einmal fertig sah der Berg aber durchaus appetitlich aus - bis zum nächsten Morgen. In "weiser" Voraussicht hatte ich die Spätzle einen Tag vorher gekocht, um mehr Zeit für die Gäste zu haben. Blöde Idee! Die Nudeln waren mir nämlich bei mehr als 20 Grad Außentemperatur gekippt. Also alles in die Tonne und von vorne. Übrigens hatten auch beim zweiten Versuch keine zwei Spätzle die gleiche Form. Zumindest sahen sie so wirklich selbstgemacht aus.

Problem Nr. 5: Der Nachtisch

Der Nachtisch bereitete mir schon vor dem Kochen die meisten Sorgen. Denn: "Der Schwabe an sich isst so viel beim Hauptgang, dass er hinten raus sparen kann", war der Tenor aller Nachbarn, Kollegen und Verkäufer, die ich um Rat gefragt habe. Letztlich habe ich dann aber doch noch etwas gefunden: Ofenschlupfer. Und siehe da: Endlich ein Gericht, das mir leicht von der Hand ging.

Nachdem die großen und kleinen Schwierigkeiten überwunden, die ein oder andere Verzweiflungsträne vergossen und der obligatorische hysterische Lachanfall überstanden war, hat es den Gästen und mir übrigens wirklich gut geschmeckt. Ob es jetzt typisch schwäbisch war, das weiß wohl nur die mir fehlende Oma aus dem Ländle oder unsere echo24.de-Leser. Für Verbesserungsvorschläge bin ich also jederzeit offen;)

Und falls es noch jemanden gibt, der völlig unbedarft die schwäbische Küche ausprobieren will: Die Rezepte und Katastrophentipps gibt es gerne bei mir.

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Julia Fischer

Julia Fischer

Lifestyle, Essen und Trinken sind ihre Themen. Auch als Szene-Reporterin und bei lokalen Events mittendrin. Kolumne: "Angerichtet".

E-Mail:julia.fischer@echo24.de

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