Chefdesigner Larry Wood

Mr. Hot Wheels zeigt uns seine Garage

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Von 1969 bis zu seinem Ruhestand vor einigen Jahren hat Larry Wood für Hot Wheels als Chefdesigner Modellautos entworfen. Heute cruist er am liebsten durch Los Angeles.

Seit 1969 hat er unsere kindlichen Autoträume entworfen: Larry Wood, bis 2009 Design-Direktor bei Hot Wheels. Autos sind sein Leben – ob in voller Größe oder im Maßstab 1:64.

Beides pflegt er mittlerweile im Ruhestand in seiner kultigen Garage in Los Angeles. Wir haben ihn besucht:

Larry Wood hat es nie bereut, sein Leben lang Modellautos für Hot Wheels entworfen zu haben statt die großen Originale für die Autoindustrie: „Warum auch? Ich habe immer Menschen glücklich gemacht, und das macht auch mich glücklich“ – sagt er, grinst, steigt in seinen getunten 1933er Ford-Hot Rod und cruist wieder mal die Pazifik-Küste entlang. Dafür hat er viel Zeit: Seit seinem Rückzug aus dem Tagesgeschäft designt Larry dann und wann als freier Berater auch echte Autos – etwa ab 2010 für Caroll Shelby in Las Vegas den aktuellen Ford Shelby GT 350 Mustang.

Hot Wheels Autoträume

Davor hat der schlaksige Kalifornier vier Jahrzehnte lang in Kindern Autoträume geweckt. Typische Merkmale seiner heißen Fantasie-Autos vonHot Wheels: Dicke Reifen, riesige Motoren, knallige Farben, fette Sidepipes – eben alles, was die rund sechs Zentimeter langen Automodelle so richtig heiß aussehen lässt und auch in Wirklichkeit viel Spaß machen würde. Die Erklärung dafür: Larry Wood war und ist ein Autoverrückter, deshalb hat er die schärfsten Modelle gezeichnet. Namen wie „Bone Shaker“, „Hiway Hauler“ oder „Purple Passion“ klingen stark und sind längst als Markenzeichen geschützt.

In Woods Garage stehen rund 2000 Modelle. 

„Schau mal: Das ist doch Mr. Hot Wheels!“ So oder ähnlich rufen viele Autofans, wenn sie rund um Los Angeles den Helden ihrer Kindheit entdecken: Larry Wood. Mit cooler Sonnenbrille und Hawaii-Hemd steigt ein groß gewachsener Typ in seinen Siebzigern aus einem knallorangen Hot Rod. Dass „Elwood“ bekannt ist wie ein bunter Hund, hat nicht nur mit seinem farbenfrohen Auftritt zu tun: Statistisch besitzt jeder US-Boy von drei bis zehn Jahren im Schnitt 50 Hot-Wheels-Modelle. Viele davon hat Larry designt.

Leidenschaft für Amischlitten

Der Autofreak liebt vor allem Hot Rods, die tiefergelegten, bitterböse getunten Amischlitten der 30er-Jahre. Larry wandelt diesen Begriff sogar zum Verb um, wenn er seine vier Jahrzehnte im Dienst von Mattel beschreibt: „I always hot rodded cars for Hot Wheels.“ Seine Ideen hat er bis zuletzt ohne Computer am Zeichentisch umgesetzt.

Wie es dazu kam? Rückblende: Der junge Larry Wood von der kalten Ostküste hat drei Jahre am Arts Center im milden Klima von Los Angeles studiert. Sein Abschluss: Auto-Designer. So verschlägt es ihn zu Ford ins noch kältere Detroit. Sein scheinbar erfüllter Traum vom Autodesign wirkt jedoch in der Realität banal: Larry entwirft Motorhauben und Türgriffe. Als Höhepunkt das Rücklicht vom 1969er Ford Mustang. Er friert und kann wegen der Schneemassen nur selten mit seinem geliebten, selbst gebauten Hot Rod umhercruisen. Deshalb geht er zurück ins warme L. A. Zuerst entwirft er den Innenraum des Passagierflugzeugs Lockhead L-1011. Auf einer Party hört er, dass Mattel für die erst ein Jahr alte Marke Hot Wheels einen Designer sucht. Seine Stunde hat geschlagen.

Hot Wheels - knallbunte Kreationen

Wood mit seinem knallorangen Hot Rod und rechts mit einem Entwurf zu seiner berühmten Purple-Passion-Serie.

Mit seinen knallbunten Kreationen hat er seither ganze Generationen zum Auto gebracht. Egal, wo er auftaucht, stets bedanken sich autoverliebte „petrolheads“ bei ihrem Helden: „Deine Modelle haben unsere Leidenschaft fürs Auto entfacht!“, zitiert Larry die typischen Aussagen seiner Fans. Aus Kindern, die millionenfach die Ein-Dollar-Modelle kauften, wurden später solvente Sammler. Der höchste Preis, den bisher ein Hot-Wheels-Modell erzielte: 72 000 Dollar für einen 1969er VW-Bus namens „Beach Bomb“. Larry Wood weiß: „Davon wurden wegen eines Fehlers nur ein paar produziert. Die wanderten gleich in die Schubladen von Mitarbeitern und tauchten später bei Auktionen wieder auf.“

Trend für die Tuningszene

Larry hat im Laufe der Zeit die reale Autoszene inspiriert – und umgekehrt: „Auf bis zu vier Autotreffen pro Woche habe ich hier in Kalifornien immer wieder was Neues entdeckt. Aber meine Entwürfe haben auch Trends beim echten Tuning gesetzt. Zum Beispiel die schrillen Farben meiner Purple-Passion-Serie.“ Er selbst besitzt heute rund 2 000 Modelle, von denen viele bis zu 500, einige bis zu 5 000 Dollar wert sind. Und echte Autos? Larry zählt auf, während er nachdenkt: „Ich habe gerade eins, zwei, drei … neun oder zehn Autos, wenn du meinen großen Wohnanhänger dazu zählst.“ Übrigens: Seinen heiß geliebten knallorangen Hot Rod, mit dem er meist herumcruist, gibt’s auch als Hot-Wheels-Modell – im Maßstab 1:64.

Ralf Schütze

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