Italo-Schönheit

Romeo wieder verliebt

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Glück hat der, der das Kleeblatt hat: Die Quadrofoglio Verde-Variante der Giulia besticht durch 510 PS und ein schärferes Aussehen. Besonders schön ist die Dame in Rot!

Romeo hat endlich seine Julia wieder: Nach langer Abstinenz (seit 1978) in der sportlichen unteren Mittelklasse schickt Fiat-Tochter Alfa Romeo am 17. Juni deutschlandweit die neue Giulia zu den Händlern.

Die BMW 3er-Konkurrentin macht mit unverwechselbarer Optik, reichlich Muskeln und einer ganzen Portion Emotionen auf sich aufmerksam. Die Preisliste startet bei selbstbewussten 33 100 Euro. Wir haben die Italo-Schönheit bereits unter die Lupe genommen.

Das Design

Ganz klar ein moderner Alfa, vom links montierten Nummernschild und dem Kühlergrill bis zum sinnlich geschwungenen Heck. Die Zeichner haben einen guten Job gemacht, die neue Giulia steht stabil und trotzdem elegant auf den Rädern.

Innendrin herrscht aufgeräumte Wohlfühl-Atmosphäre, sämtliche Einstellarbeiten sind mit zwei Drehreglern zu bewältigen, dazu kommen noch ein paar Knöpfe für Klima und das Radio – und finito. Diese reduzierte Möblierung schafft Raum fürs eigentlich Wichtige: fürs Fahren.

Das Fahrgefühl

Zu haben ist die Giulia zunächst mit 2,2 Liter-Dieselmotoren mit 136, 150 und 180 PS und als Sportvariante Quadrofoglio Verde (QV) mit einen 2,9 Liter-V6-Benziner mit zwei Turbos und knackigen 510 PS. Später kommt noch ein Zweiliter-Benziner mit anfangs 200 PS dazu.

Ausprobiert haben wir den 180 PS-Diesel, der einen sehr anständigen Eindruck hinterließ. Reichlich Kraft von unten raus, ruhiger Lauf im mittleren Drehzahlbereich, leicht raue Lebensäußerungen, wenn er etwa auf Bergstrecken ordentlich gedreht wird.

In 7,2 Sekunden ist der Selbstzünder auf 100, bei 230 Stundenkilometer ist Schluss, der Normverbrauchswert von 4,2 Liter pro 100 Kilometer ist auch hier reine Theorie, in echt sind Werte um die sechs bis sieben Liter realistisch. Die 50:50-Gewichtsverteilung des Hecktrieblers spürt man vor allem in engen, schnellen Kurven: Ihretwegen und dank eines recht aufwändigen Fahrwerks liegt die mit reichlich Leichtbau-Teilen versehene Italienerin satt und sicher auf der Straße, die direkte Lenkung über das recht kleine Lenkrad verstärkt dieses Gefühl der Dynamik und Sicherheit noch.

Das Cockpit in der Giulia.

Ein Fall für sich ist die QV-Spitzenversion, die für Testfahrten auf der Rennstrecke bereits stand – und die diese sehr überzeugend meisterte. Cooler Sound, reichlich Power, beinahe schon narrensicheres Fahrverhalten in der Fahrwerks- und Motorsteuerungsstufe „Dynamik“ – die 510 PS-Lady lässt es auf Wunsch so richtig krachen, 3,7 Sekunden für den Standardsprint und 307 Stundenkilometer Spitze zeigen schon, dass die bella Signorina nichts anbrennen lässt.

Die Ausstattung

Totwinkel-, Spurhalte und Notbrems-Assistent: Auch bei Alfa hält längst die Elektronik die Fäden in der Hand. Neben dem vierblättrigen Kleeblatt (Quadrofoglio Verde) gibt es noch die Basisversion Giulia, die unter anderem 16 Zoll-Leichtmetallfelgen, Zweizonen-Klimaautomatik, die Fahrdynamikregelung und ein Infotainmentsystem mit 6,5 Zoll-Bildschirm enthält. Die Variante „Super“ umfasst etwa 17-Zöller, Leder-/Stoff-Sitze, Parksensoren hinten und einen Sieben-Zoll-Bildschirm.

Die Preise

Der kleinste Diesel kostet als Giulia ab 33.100 Euro, die 150 PS-Version ist 1000 Euro teurer. Den 180 PS-Selbstzünder gibt es erst als „Super“ und ab 37.400 Euro. Logischerweise ganz oben in der Preisliste steht der Quadrofoglio Verde mit flotten 71.800 Euro.

Das Fazit

Die Guilia läutet hoffentlich endgültig die immer wieder propagierte Wiederkehr der Marke Alfa Romeo ein. Die Neue ist ein flottes Gerät, das aber im Markt auf sehr starke Gegner trifft – und im Finish, etwa bei etwas versteckteren Teilen im Interieur oder beim blechernen Klang der Heckklappe, noch nicht ganz den selbstgestellten Premium-Anspruch a la BMW, Audi oder Mercedes erfüllen kann.

Rudolf Huber

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