Kolumne: Angerichtet

Danke Mama und Papa: Mein Name ist kein Zeugungsort

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Nomen est Omen oder Namen sind Schall und Rauch - Promis haben jedenfalls die verrücktesten Ideen.

Promis haben eine Vorliebe ihren Kinder die ausgefallensten Namen zu verpassen. Aber: Viel hilft eben nicht immer viel.

Sie heißen Ozean, Mondeinheit und Blauer Engel – Promibabys! Die Ärmsten haben kaum das Licht der Welt erblickt, schon wird ihnen der ausgefallenste Name verpasst, der sich finden ließ. Nicht nur Hollywood-Sternchen sind da kreativ. Die Kinder von Franziska van Almsick zum Beispiel heißen Don Hugo und Mo Vito. Schön ist doch irgendwie anders.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Allerweltsnamen sind manchmal auch eine Bürde. Man nehme einen der beliebtesten Mädchennamen und kombiniere ihn mit einem der weitverbreitetsten deutschen Nachnamen – und tada: Heraus kommt meiner!

In der Stadt drehe ich mich alle paar Minuten um, beim Arzt gibt es auch drei andere Leute, die meinen Namen haben – Verwechslungen sind immer vorprogrammiert. Doch es gibt auch Vorteile: Noch nie hat jemand meinen Namen falsch geschrieben und Ausspracheprobleme gibt es auch nicht.

Wie finden Sie ausgefallene Namen?

Zugegeben, das ist reiner Zufall, eigentlich sollte ich Philipp heißen. Die Hebamme hat meiner Mama das ganz schnell wieder ausgeredet, als klar war: Ich bin kein Junge. Mein Opa hatte eh gesagt: „Philipp Fischer – da spuckt man sich beim Aussprechen ja immer an.“

Aber Philipp wäre immer noch besser gewesen als Jimi Blue, Pilot Inspektor oder Brooklyn. Letzterer ist der Sohn von Victoria und David Beckham. Und warum heißt der arme Kerl wie ein New Yorker Stadtteil?

Weil Brooklyn der Zeugungsort sein soll. Da freut sich der Beckham-Spross sicherlich: Immer wenn jemand seinen Namen ruft, wird er daran erinnert wie seine Eltern.. Nein danke!

Für werdende Eltern ist das mit der Namensfindung sicherlich nicht einfach. Das habe ich bei einem zufällig mitangehörten Gespräch verstanden: "Kein Name aus den 'Top 10', nichts was sich in einer anderen Sprache als Fauxpas erweist. Der Name sollte nicht zu kurz, aber eine Abkürzung und Spitznamen bitte auch nicht machbar sein. In Englisch und Französisch muss sich der Name auch gut anhören. Und nomen est omen – also bitte kein Name, der negativ vorbelastet ist." Gibt's keine anderen Sorgen?

Wer sich die Mühen ersparen will, kann bei einer Schweizer PR-Firma übrigens für günstige 25.000 Euro einfach einen neuen Namen kaufen. Da wird dann ein Name entwickelt, den es bisher noch nicht gab – Wünsche, Vorlieben und kulturelle Zugehörigkeit der Eltern inklusive. Die Namensfindung funktioniert hier auch nicht anders als für neue Automodelle oder Parfüms.

Kinder benennen wie Produkte – auch das klingt irgendwie nicht nach einer verlockenden Lösung – selbst dann nicht, wenn das Portemonnaie den teuren Spaß hergibt.

Back to the roots ist da angesagt. Einfach, aussprechbar und vor allem nicht oberpeinlich. Julia Fischer – das ist vielleicht langweilig, aber allemal besser als Wuppertal zu heißen – das wäre mein Zeugungsort. Danke Mama und Papa, dass ihr das nicht in Betracht gezogen habt.

Julia Fischer

Julia Fischer

Lifestyle, Essen und Trinken sind ihre Themen. Auch als Szene-Reporterin und bei lokalen Events mittendrin. Kolumne: "Angerichtet".

E-Mail:julia.fischer@echo24.de

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