Nach Gründung der Helfenden Hand und der Gruppe Spaziergang

Heilbronn bei Nacht: Idylle oder Brennpunkt?

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In der Heilbronner Innenstadt gibt es nachts viele einsame Stellen.

Daniel Hagmann hat einen nächtlichen Spaziergang durch die Innenstadt gemacht. Zurück bleibt ein mulmiges Gefühl.

Zugegeben: Ich bin schon sorgloser durch nächtliche Parks, Wälder und Innenstädte spaziert als in diesen Tagen. Auch wenn man natürlich nicht immer daran denkt: Die Übergriffe von Köln, aber auch Überfälle und Attacken in der Region sind doch immer irgendwo im Hinterkopf. Und die kürzlichen Bombendrohungen - auch wenn sie nur heiße Luft waren - haben das Sicherheitsgefühl auch nicht weiter bestärkt.

Impressionen: Heilbronn bei Nacht

Als Redakteur sitzt man ja an der Quelle und bekommt mit, was alles Schreckliches vor der eigenen Haustür passiert. Und das bleibt natürlich auch anderen nicht verborgen. Die Thai-Bulls Heilbronn wollen mit ihrer Helfenden Hand für mehr Sicherheit sorgen. Und auch die "Gruppe Spaziergang" macht mit ihrer Präsenz deutlich: Übergriffe haben in unserer Gesellschaft nichts verloren.

Als ich in der vergangenen Nacht die Untere und Obere Neckarstraße entlangspaziere, macht sich jedoch rasch Entspannung breit. Pärchen und Menschengruppen sind unterwegs, lachen, scherzen, sitzen draußen vor den Bars und Cafés oder hören Musik am Neckarufer. "Idyllisch" und "wie im Urlaub" beschreibt das Ganze wohl am besten.

Fühlen Sie sich in der Region noch sicher?

Doch beim Götzenturm läuft es mir plötzlich eiskalt den Rücken runter: Vor wenigen Wochen wurde hier eine 25-Jährige brutal überfallen und fast vergewaltigt. Und tatsächlich: Lässt man die Gastro-Meile hinter sich, wird's auch schnell spärlicher mit dem Personenumtrieb. Wer hier Böses im Schilde führt, hat leichtes Spiel. Sicherheitskräfte - ob private oder von der Polizei - könnten hier auf jeden Fall nicht schaden.

Ich treffe auf Raphael Schulz aus Neckarsulm. Er erzählt, dass hier, beim Götzenturm, wo wir gerade stehen, kürzlich einer seiner Freunde brutal zusammengeschlagen wurde. "Er war mit seiner Freundin unterwegs, die wurde von mehreren Typen plötzlich begrapscht. Als er einschritt, haben sie ihn krankenhausreif geprügelt."

Auch Schulz ist nicht allein. Er hat Saskia aus Schwaigern-Stetten dabei. "Allein traue ich mich gar nicht mehr auf die Straße", sagt die junge Frau. Sie fände es gut, wenn nachts mehr Wachleute im Stadtgebiet unterwegs wären.

Bei meinem weiteren Weg durch die Innenstadt mischt sich die Freude über die schöne Beleuchtung der Bauwerke und das Wissen darüber, dass Heilbronn nach wie vor ein intaktes Nachtleben hat, mit einem mulmigen Gefühl. Auch rund um die Stadtgalerie und das Wollhaus gibt es so manche unheimliche Ecke.

Mit dem Gedanken, dass ich mir wahrscheinlich zu viel Stress mache und die Gewalttaten wohl auch nicht mehr geworden sind als früher, trete ich den Heimweg an. Wirklich bedroht fühle ich mich nicht in Heilbronn.

Doch heute Morgen folgt der Schreck: Ein Mann etwa meines Alters wurde - während ich daheim die Haustür aufschließe - in der Hafenstraße brutal überfallen und verprügelt. Genau dort, wo ich noch zwei Stunden zuvor, nach einem Besuch im Hip Island, selbst unterwegs war. Erneut folgt ein kalter Schauer: Das hätte ich sein können! Es bleibt: ein mulmiges Gefühl.

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Daniel Hagmann

Daniel Hagmann

Als Reporter in der Region unterwegs. Hauptinteressen: Kunst, Kultur und Kokolores im echo24-Land. Kolumne: "Nachgehagt".

E-Mail:daniel.hagmann@echo24.de

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