Innovatives aus Heilbronn

Sauberes Trinkwasser ohne Chemie und Filter

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Die Qwair-Geschäftsführung: Matthias Enzenhofer (links) und Stefan Flinspach.

Eine revolutionäre Entwicklung aus Heilbronn könnte die Welt verändern.

Am Anfang war die Vision. "Wenn man jahrelang mit Luftbefeuchtung zu tun hat, dann macht man sich so seine Gedanken", erklärt Matthias Enzenhofer, geschäftsführenden Gesellschafter der "Qwair-Group" in Heilbronn. 2007 begann der Diplom-Ingenieur für Klima- und Lüftungstechnik mit der technischen Planung einer Wasseraufbereitungsanlage. "Ich saß mit einem Wasserbauingenieur zusammen. Wir wollten die Kombination aus Luft und Wasser für uns nutzbar machen."

Schnell stieß Stefan Flinspach zum Team. Der Diplomkaufmann ist ebenfalls geschäftsführender Gesellschafter und für die Finanzierung des Projektes zuständig. "Durch unsere Netzwerke, die wir in den Jahren zuvor in unseren Berufen aufgebaut hatten, fanden wir schnell Investoren, die sich für unser Projekt begeisterten, an uns glaubten - und die Idee finanzierten."

Das Ei des Kolumbus steckt in der Technik. Enzenhofer: "Wir trennen das Trink- vom Salz- oder Brackwasser durch Verdunstung. Die wassergesättigte Luft steigt auf, wird gekühlt, dann kondensiert das Wasser und ist von herausragender Reinheit." Und das alles auf kleinstem Raum. Flinspach: "Wir haben uns für eine modulare Bauweise entschieden. Die Anlage kann nahezu nach Belieben erweitert werden." So kann nahezu jeder Bedarf gedeckt werden. Flinspach: "Vom Kleinhaushalt bis zum Freibad ist alles möglich."

Die Waterwin-Anlage ist im Container transportfähig.

Knapp zehn – investitionsintensive – Jahre und zahllose Patentanmeldungen später ist es Anfang 2016 soweit: der Prototyp der "Waterwin" läuft. In einer Halle am Neckar. "4.500 Betriebsstunden hat sie schon bewältigt. Ohne jegliche Ausfallerscheinungen und alles ist TÜV-geprüft", sagt Enzenhofer.

Die benötigte Energie zum Lauf der Anlage wird vorerst noch durch einen Generator gewonnen. "Aber bei den bevorzugten Einsatzgebieten, beispielsweise in den Golfstaaten, wird dann eine Solarthermie für den benötigten Strom sorgen. Und zwar durch Photovoltaik-Elemente, die hocheffizient arbeiten und mehr Energie produzieren, als zum Betrieb der Anlage benötigt wird."

Gerade in der Golf-Region und im Mittleren Osten sehen die beiden die größten Absatzmärkte. Denn dort herrscht enorm hoher Wasserbedarf, der bisher überwiegend durch energieintensive Umkehrosmose – dabei wird Salz- in Süßwasser gewandelt – gedeckt wird. Mit hohem Druck wird dabei das Salzwasser durch eine Membran gepresst. Enzenhofer: "Mit vielen Nachteilen. Die Membranen verstopfen schnell und werden rückgespült, sodass im Mündungsbereich dann saures und hochkonzentriertes Salzwasser zurückfließt. Mit unabsehbaren Folgen für die Umwelt."

Zudem muss das so gewonnene Trinkwasser in einem aufwendigen Verfahren remineralisiert werden. "Wir arbeiten ohne Chemie, Membrane und Filter. Viel effizienter", sagt Flinspach.

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Marc Thorwartl

Marc Thorwartl

Als Reporter bei den "Falken" immer auf Puckhöhe, auch auf regionalen Veranstaltungen mittendrin. Kolumne: "Eiskalt".

E-Mail:marc.thorwartl@echo24.de

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