Böhmermann vs. Erdogan

Umfrage in Heilbronn: Wie weit darf Satire gehen?

"Ziegenficker" und andere heftige Beleidigungen - das sagt die Region zur Diskussion um Jan Böhmermann.

Strafverfahren oder nicht - das ist hier die Frage. Nach Jan Böhmermanns Schmähgedicht gegen den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan diskutiert die Medienlandschaft. Ist der Satiriker zu weit gegangen oder sollte er seine Meinung frei äußern dürfen - Satire ist schließlich auch Kunst? Wir haben allgemein gefragt, was Satire darf und was nicht. Aber auch hier ist der "Fall Böhmermann" mehr als präsent.

Der Satiriker hat mit seinem Gedicht nicht nur einen schmalen Grat beschritten. Rechtlich gesehen ist er förmlich ohne Fallschrirm in den Abgrund gesprungen - und das wusste er auch. Denn, dass das Gedicht in dieser Form verboten ist, hatte Böhmermann schon vorher angekündigt. Dennoch stärken viele Deutsche ihm den Rücken. Das sagt die Region dazu:

Eylin Willert, Mühlbach: Ich finde den Beitrag von Jan Böhmermann ziemlich frech. Auch für Satire muss es Regeln geben, an die sich jeder Komiker halten sollte. Da hat Herr Böhmermann deutlich übertrieben. Da ist es ganz egal, was er vom türkischen Präsidenten Erdogan hält. Sein Beitrag ging einfach weit unter die Gürtellinie - das sollte Satire vermeiden.

Stephanie Graber, Erlenbach: Ich denke, ein Satiriker ist in der Lage zu wissen, wie weit er gehen kann. Das wusste auch Herr Böhmermann. Zwischen Kritik, Kunstfreiheit und Gemeinheit liegt da ein ganz schmaler Grat. Es ist eine gute Frage, ob Kunst sich alles erlauben kann. Ich kann das kaum vollständig beantworten. Ob er damit durchkommt, wird man sehen.

Lukas Fath, Eppingen: Ich finde, es sollte jedem erlaubt sein, seine Meinung frei zu äußern - vor allem Satirikern. Ob die Kritik in diesem speziellen Fall unter der Gürtellinie war, das lässt sich diskutieren. Aber Kunst und Satire sollten generell kritisieren dürfen und müssen. Notfalls eben auch unter der Gürtellinie, wenn es anders nicht ankommt.

Jennifer Kristbaum, Mühlbach: Ich habe mich bisher leider noch nicht mit dem konkreten Fall Jan Böhmermann beschäftigt. Satire und Kunst sollten aber eine Grenze haben. Ich finde, dass man sich benimmt gehört zum normalen menschlichen Umgangston. Beleidigungen und ähnliche Dinge haben da nichts verloren. Das macht man meiner Meinung nach einfach nicht.

Christina Walter, Heilbronn: Satiriker können sich nahezu alles rausnehmen. Es soll einfach nur die Augen öffnen und nicht irgendjemanden angreifen. Es soll kritisch hinterfragen, böse manchmal, aber ein Problem wird umschrieben. Anhand der Diskussion sieht man ja auch, dass jetzt Denkanstöße gegeben worden sind. So redet man drüber und das ist richtig so.

Özgur Vural, Heilbronn-Neckargartach:  Die Satire-Szene macht in Deutschland vor fast nichts halt. Aber ich bin selbst Türke und mich stört es auch nicht. Ich finde es sehr schade, dass und wie Herr Erdogan auf diesen Witz reagiert. Er sollte mit solchen Dingen professioneller umgehen. Persönliche Angriffe sind nicht schön, aber er sollte das ignorieren können.

Ist Jan Böhmermann zu weit gegangen?

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