Großer Schlüsselbund, Mütze und Strickjacke - alle kennen Micha

Das ist Heilbronns beliebtester Toilettenmann

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Micha ist bestimmt der bekannteste Club-Mitarbeiter Heilbronns. Der beliebteste ist er allemal.

Im Hip Island und im Creme 21 ist ein Mitarbeiter besonders gefragt.

23 Uhr, Hip Island, Heilbronn. Erst mal ist Micha gar nicht zu sehen. Kein Wunder, eigentlich ist der Mann mit der Mütze, dem grauen Pullover und der roten Jacke darüber die ganze Zeit auf Achse. Toilettenpapier nachfüllen, Pfützen aufwischen, Mülleimer leeren. Da könnte sich mancher in diesem Job ein Beispiel nehmen.

Es überrascht nicht, dass der Heilbronner mit der lieben Art und dem Pferde-Tattoo auf dem Arm im Hip Island und Creme 21 einfach dazu gehört. Immer wieder wird er freudig begrüßt. Einige klopfen ihm im Vorbeigehen auf die Schulter. "Na Micha, alles klar?".

Kennt ihr Micha auch?

Manchmal nimmt der beliebteste Toilettenmann Heilbronns sich Zeit für einen kurzen Plausch. "Bei mir im Haus hat’s neulich gebrannt", erzählt er. Der junge Mann, der ihm gegenüber steht, hört gespannt zu und hält sich eine Hand vor der Mund. "Aber dir ist nichts passiert, oder?" Micha lächelt und sagt "Noi, mir geht’s gut und die Versicherung greift zum Glück auch."

Dass er bei seiner Arbeit in den Clubs viele nette Leute kennenlernt, gefällt Micha. "Ich stelle oft fest, dass ich über viele Ecken mit manchen Besuchern sogar verwandt bin – das ist ganz unterhaltsam."

Micha ist seit Jahrzehnten immer unterwegs; tagsüber hält er städtische Kinderspielplätze sauber und erledigt mehrere Hausmeisterarbeiten. Auch auf dem Spielplatz lernt er Leute kennen. "Kennen Sie mich nicht mehr?", wird er manchmal gefragt. "Dann sind die Kinder vom Spielplatz schon so groß, dass Sie mir abends im Club begegnen."

"Können wir kurz ein Foto machen?" Mit Micha zeigen sich die jungen Leute gerne.

Immer wieder werfen Gäste Kleingeld in Michas Körbchen. Bei jedem einzelnen bedankt er sich so herzlich, dass man ihm am liebsten einen großen Schein zustecken möchte.

Dann wird der 67-Jährige ein bisschen wehmütig. "Ich hätte so gerne ein kleines Lichtchen hier. Die Leute sehen mein Körbchen oft gar nicht", sagt er und macht ein trauriges Gesicht. "Es soll ja gar nicht groß oder arg hell sein, ein ganz kleines Licht, das wäre mein größter Wunsch."

Bilder: Feierabend im Hip Island

So bescheiden ist der Heilbronner, der keine Kinder hat. Seit er 14 Jahre alt ist, arbeitet er. Damals ging er von Heilbronn nach Sylt, um dort eine Ausbildung zum Metzger zu machen. Er berichtet: "Sylt kannte ich von einem Ferienprogramm. Da hatte ich noch einige Adressen."

Seit 1969 ist Micha wieder in Heilbronn und hat die Stadt seither auch nicht mehr verlassen. Für einen freien Tag oder gar Urlaub reicht das Geld nicht.

Zwei junge Mädels verlassen gerade die Toiletten. Eine bleibt stehen. "Sie sind echt toll", sagt sie und kramt in ihrer Tasche nach Kleingeld. Ihre Freundin tut es ihr gleich. Ein junger Mann hat ein Zwei-Euro-Stück auf den Tisch gelegt. Micha, der eben wieder eine Papierrolle aufgefüllt hat, sieht ihn grade noch weggehen und ruft. "Ach Mensch, danke, das musst du doch gar nicht." 

Fotos vom Sunset Beach Club

Seine Musik ist das nicht, die heute Abend läuft. Eigentlich mag er eher Volksmusik. Und er mag Sauerbraten mit Spätzle. Bei "Danza Kuduro" von Don Omar lacht Micha. "Ach guck, die Musik gefällt mir jetzt doch."

Viele der Gäste fragen schon, ob sie den freundlich Mann auch im Creme 21 wieder antreffen werden. "Haja, selbstverständlich", antwortet er. Dann feiern die Gäste ausgelassen weiter.

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Anna-Maureen Bremer

Anna-Maureen Bremer

Mittendrin statt nur dabei: Soziales, Partys und eure Themen immer im Blick! Kolumne: "Natürlich blond".

E-Mail:anna-maureen.bremer@echo24.de

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