Wie die Stadt mit den Schädlingen umgeht

Heilbronn bekämpft gefährliche Ratten

+
Wenn Ratten an Fressködern geknabbert haben, zieht es sie ins Freie, wo sie vor ihrem Ableben herumtorkeln.
  • schließen

Ratten übertragen viele Krankheiten - manche enden sogar tödlich. Die Stadt bekämpft die Schädlinge konsequent.

Das Tier ist im Angriffsmodus. Immer wieder versucht es, den Mann zu beißen. Denn der ist in SEIN Revier im Gedärm der Stadt Heilbronn eingedrungen. Von Berufs wegen, aber das interessiert die Ratte nicht. Ihr Gegner ist allerdings auf derartiges Verhalten vorbereitet: Diesmal hat der Mitarbeiter der Kanalbetriebe einen Hochdruckstrahler dabei. Und damit bläst er die Ratte so lange weg, bis sie von ihm ablässt. Andreas Müller, stellvertretender Kanalbetriebsleiter, erklärt: „Solche Angriffe können da unten öfter vorkommen. Man muss immer etwas zur Verteidigung dabei haben.“ Und die Hosenbeine sollten stets in den Stiefeln stecken. „Sonst krabbeln Ratten in ihrer Rage hinein.“ Ein Biss ist schließlich nicht nur schmerzhaft, sondern auch hochgefährlich.

Ratten übertragen viele Krankheiten – darunter Salmonellen oder die Weilsche Krankheit, bei der es auch zu schwerwiegenden Organkomplikationen kommen kann. Darum müssen die Mitarbeiter der Kanalbetriebe ihren Impfschutz ständig erneuern. Denn die Gefahr, sich zu infizieren, besteht jederzeit. Andreas Müller: „Dazu muss Rattenkot oder -urin nur in Berührung mit Hautverletzungen kommen oder unbewusst über die Hände in die Nähe von Augen, Mund oder Nase gelangen.“ Wer im Kanal war, muss anschließend auch duschen. Eine Viertelstunde Arbeitszeit ist dafür anberaumt.

Müller, Sachgebietsleiter Udo Breuker und die Mitarbeiter der Kanalbetriebe sind unter anderem dafür zuständig, dass sich die haarigen Schädlinge nicht rapide ausbreiten. Und das gelingt ihnen auch. Müller: „Wir haben das Problem im Griff.“ Was würde passieren, wenn die Ratten nicht permanent und konsequent bekämpft werden würden? Breuker: „Dann gäbe es in Heilbronn mehr Einwohner unterhalb der Straße als oberhalb.“ Dazu muss man wissen: Ein Rattenleben kann bis zu drei Jahre dauern, wobei die Tragzeit eines geschlechtsreifen Weibchen lediglich knapp einen Monat beträgt. Pro Wurf werden durchschnittlich zehn Babys geboren, von denen die Weibchen nach zwei bis drei Monaten selbst geschlechtsreif sind. Breuker: „Ohne unser Einschreiten hätten wir in der Stadt eine Flut von Ratten, die mit der Zeit auch keinerlei Skrupel mehr kennen würden.“

Dass es momentan verstärkt zu Rattensichtungen kommt, hat einen besonderen Grund: die Bekämpfung mit Fressködern. Knabbern Ratten an den runden, roten Plättchen aus Cerealien, Paraffin und dem Blutgerinnungshemmer Warfarin, bluten die klugen Schädlinge aus. Schmerzfrei. Breuker: „Bevor sie jedoch verenden, zieht es sie noch an die frische Luft.“ Bester Rattenkiller ist allerdings Starkregen. Müller: „Dann wird ihre S-Bahn-Strecke, das Kanalnetz, geflutet – die Tiere ertrinken.“ Information Ratten fühlen sich in sogenannten Randlagen pudelwohl – zum Beispiel in der Nähe von Äckern und dort, wo Komposter oder alte Gartenhäuschen herumstehen und die regelmäßige Nahrungsquellen nicht ausgehen.

Information

Ratten fühlen sich in sogenannten Randlagen pudelwohl – zum Beispiel in der Nähe von Äckern und dort, wo Komposter oder alte Gartenhäuschen herumstehen und die regelmäßige Nahrungsquellen nicht ausgehen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare