Suchaktion im Wald

So trainiert die Tierrettung den Ernstfall

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Das Team der Tierrettung Unterland mit Buddy.

Einblick in eine Einsatzübung der Tierrettung Unterland im Neckargartacher Wald.

Ein schwerer Unfall. Zwei Verletzte. Und ein vermisster Rottweiler-Mastiff-Mix: Buddy. In seinem Schock war der Vierbeiner nach einem Autounfall mehrere Kilometer weitergelaufen, bis zu einer Wohnsiedlung in Weinsberg.

Das Problem: Zuerst war nicht klar, wo Buddy ist. Das hieß: Einsatz für die Tierrettung Unterland, die in mehreren Suchtrupps das gesamte Umland durchsuchte.

Auch wenn alles gut gegangen ist. Buddy wird leider kein Einzelfall bleiben. Unfälle, bei denen auch Tiere verunglücken, können immer wieder passieren. Deshalb hat die Tierrettung Unterland eine Trainingseinheit durchgeführt. echo24.de hat sie dabei begleitet.

Bilder: Tierrettung Unterland im Einsatz

Das Szenario bei der  Übung sieht so aus: Ein Hund wird angefahren, erleidet Knochenbrüche und rennt schwer verletzt in den Wald. "Das ist natürlich eine Anlehnung an den Fall Buddy", erklärt Jan Franke, Vorsitzender der Tierrettung Unterland. Das Besondere daran: Der Fall soll möglichst realistisch sein. Deshalb wird Buddy als Mime eingesetzt, um den entlaufenen Hund zu spielen.

Der einzige Unterschied zu Buddys Unfall: Anstelle eines Wohngebiets hat Jan Franke den Neckargartacher Wald in der Nähe des Heilbronner Tierheims als Suchgebiet für die Einsatzgruppe der Tierretter gewählt. Die anderen Tierretter erfahren auch bei der Übung erst durch einen Notruf, was vor Ort passiert ist und um welches Tier es sich handelt.

Denn: "Im Prinzip kann aus jedem Notruf eine extreme Situation entstehen. Oft weiß man nicht genau, was einen erwartet", sagt Jan Franke. Deshalb muss alles sehr realistisch ablaufen.

Buddy wird im Wald versteckt, danach setzt Franke einen Notruf für alle Tierretter ab.

Jetzt muss es schnell gehen. Die verständigten Tierretter treffen nach und nach am Einsatzort ein. Dabei erfahren sie, dass sie einen angefahrenen Hund finden müssen, der verletzt in den Wald gerannt ist.

Die Schwierigkeit: Die Teams müssen sich gut koordinieren. Kurz vor der eigentlichen Suche gibt es deshalb eine Besprechung. Wie in den wirklichen Einsätzen erhalten alle Retter eine Karte des Suchgebiets, das in Quadranten eingeteilt ist. Jedes Team hat einen Suchbereich - und dann geht es auch schon los.

Die eigentliche Suche ist sehr aufwendig. Es wird langsam dunkel, es gibt keine Waldwege, auf denen die Retter laufen können, und meterhohe Brennnesseln wuchern überall. Da ist es schwierig, nicht nur auf seinen eigenen Weg zu achten, sondern auch noch einen verletzten Hund zu finden!

Trotzdem durchsuchen die Retter tapfer den ganzen Wald. "Beim Leuchten in den Wald, achte ich darauf, ob ich zwei Reflexe sehe", erklärt Bianka Thiel. Sie ist schon länger bei den Tierrettern dabei und weiß, dass Tieraugen immer reflektieren.

Aber: Es ist einfach schwer! Die Sicht wird schlechter, und bei Dunkelheit ist sich niemand ohne GPS-Gerät sicher, wo man sich gerade befindet. Nach drei Stunden harter Suche  bricht die Tierrettung kurz vor dem Waldende ab.

Später, nach der Rettungsübung erfahren sie dann: Buddy war NUR noch ein paar Meter entfernt.

Trotzdem: Auch wenn die Tierretter den Hund nicht gefunden haben, ist Jan Franke zufrieden: "Natürlich wäre es schön gewesen, wenn wir den Hund gefunden hätten, aber bei Dunkelheit und diesem Gelände ist das einfach schwer. Außerdem steht das Team auch noch relativ am Anfang der Ausbildung."

Einiges muss sich eben noch einpendeln - die Tierrettung Unterland existiert erst seit dem 16. Januar 2015. Und jede Hilfe wird gern gesehen. Deshalb: Wer neugierig auf die Arbeit der Tierrettung Unterland geworden ist, kann nicht nur mit Spenden helfen, sondern auch selbst als Retter aktiv werden.

Von Jasmin Stirn

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