Eine Ziegenfarm in Uganda verhilft Familien zu Einkommen, Bildung und Gesundheit

Meckernder Mikrokredit als Hilfsprojekt 

Ziegen gelten in Afrika als Symbol für Weisheit und Wohlstand. Das Projekt „Schenke eine Ziege“ bietet Familien in Uganda Hilfe zur Selbsthilfe. Foto: privat
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Der Verein „Schenke eine Ziege“ betreibt Entwicklungshilfe der besonderen Art.

Dass junge Menschen nach dem Abitur „etwas Sinnvolles“ machen möchten – das ist so ungewöhnlich nicht. Dass aus so einem Freiwilligen-Aufenthalt in Afrika aber ein Entwicklungshilfeprojekt entsteht, das sich nach zehn Jahren zu einem überregional bekannten Verein entwickelt hat, macht „Schenke eine Ziege“ zu etwas Besonderem.

2006 arbeiteten Robert Wunderlich und Vanessa Velte aus Heilbronn-Horkheim in Uganda. Noch vor Ort suchten sie nach Wegen, die Menschen zu unterstützen. Seitdem haben sie in Kaseseim Südwesten Ugandas ein Lernzentrum und ein Gesundheitszentrum eröffnet, eine Solaranlage installiert – und vor allem eine Ziegenfarm aufgebaut.

Bedürftige Familien werden im Umgang mit den Tieren geschult, aber auch zu Themen wie Aids, Hygiene oder der Gleichstellung von Mann und Frau. Nach erfolgreicher Fortbildung erhalten sie eine Ziege, innerhalb eines Jahres müssen sie ein weibliches Zicklein zurückgeben. „Ein lebendiger Mikrokredit“, sagt Vereinsvorsitzender Wunderlich, mittlerweile Doktor der Medizin und als Anästhesist an der Universitätsklinik Tübingen tätig.

Gesundheit, Bildung und Einkommen will der Verein gleichermaßen fördern – mit Hilfe der Ziegen: Fleisch und Milch lindern den weit verbreiteten Proteinmangel bei Kindern, die Familien erzielen eigenes Einkommen und können sich damit Bildung und Gesundheitsvorsorge leisten. Etwa 3.000 Menschen profitieren von dem Projekt, 50 bis 60 Familien kommen jedes Jahr hinzu. Hilfe zur Selbsthilfe ist das Ziel, erklärt Wunderlich: „Die beste Entwicklungshilfe ist diejenige, die sich selbst irgendwann überflüssig macht.“

Inzwischen hat der Partnerverein „Give a goat“ in Uganda ein erfahrenes Management aufgebaut, in Deutschland arbeiten die Vereinsmitglieder von Beginn an ehrenamtlich. „So können wir garantieren, dass wirklich jeder Cent ankommt“, sagt Wunderlich.

Der Verein finanziert sich durch Spenden. Die so genannten „Ziegenpatenschaften“ sind inzwischen aber nur noch symbolisch: Das Geld fließt in verschiedene Projekte, nicht mehr in die Zucht. „Sonst würde die Farm inzwischen aus allen Nähten platzen.“

Information

Zum zehnjährigen Jubiläum feiert „Schenke eine Ziege“in Heilbronn ein großes Afrika-Fest: Am Samstag, 23. April, sind von 10 bis 15 Uhr Infostände am Kiliansplatz aufgebaut. Auch einige Ziegen zum Streicheln sind dabei. Ab 19.30 Uhr treten im K2Acht der afrikanische Chor Elikia, die Trommler von Tropical Beat und Culcha-Candela-Star Johnny Strange auf. Es gibt afrikanische Spezialitäten, mit einem DJ wird die ganze Nacht getanzt und gefeiert. Der Eintritt kostet 5 Euro.

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