Falken-Saisonanalyse Teil IV: Die Trainer

Absolute Fehlbesetzung: Wolfs leere Versprechungen

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Ausgebrüllt: Mannix Wolf wurde im Januar entlassen.

Bei den Falken war ein Trainer planlos, und der andere versuchte als Feuerwehrmann zu retten, was nicht mehr zu retten war.

Bei der Besetzung der Trainerstelle lagen die Heilbronner Falken voll daneben. Der Coach, der das Vertrauen von Manager Atilla Eren genoss und das Saisonziel „Wiederaufstieg aus der Oberliga“ bewerkstelligen sollte, hieß Mannix Wolf. Er ist ein Paradebeispiel dafür, dass ein ehemaliger Weltklassespieler nicht automatisch einen guten Trainer abgibt.

Zuvor war er drei Jahre in der Oberliga Ost bei den Icefighters Leipzig tätig. Mit Erfolg, wie er selbst immer wieder gerne betonte. Doch die dortige Liga war stets ein Zweikampf zwischen Halle und Leipzig, die restlichen Teams hatten nur Regionalliga-Niveau. Als dann die Möglichkeit zum Nachrücken in die DEL2 auf den Tisch kam, war ein Großteil des Kaders bereits verpflichtet. Eren startete keinen Alleingang, sondern rückversicherte sich bei Wolf, ob er mit einem kurzfristig aufgepimpten Team das Wagnis DEL2 angehen würde und sich zutraue, mit dem Kader die Klasse zu erhalten. Selbstsicher beantwortete der Deutsch-Kanadier diese Frage mit „Ja“. Trotz eines leergefegten Spielermarktes und einer verkürzten Vorbereitungszeit.

Mannix Wolf konnte die Vorgaben nicht ansatzweise erfüllen

Während andere Coaches diese zum intensiven Testen ihrer Reihen nutzten und immer wieder neue Formationen ausprobierten, hielt Wolf stur an seiner Zusammensetzung fest. Die ersten Vorbereitungsspiele waren auch ganz gut anzusehen. Doch je näher die Saison rückte, desto mehr wurden die Defizite offensichtlich. Die Reihen harmonierten nur selten und hatten innerhalb der Zusammensetzung ein zu großes Leistungsgefälle. Als die Saison startete, begann Wolf mit dem munteren „Bäumchen-wechsel-dich-Spiel“.

Auch bei den Ausländern lag Wolf völlig daneben. David Hajek in der Abwehr und Seppi Lewis im Sturm waren ganz einfach zu schwach, um Schlüsselpositionen zu übernehmen. Nur Adam Brace und Brad Schell hatten sich die Bezeichnung Kontingentspieler verdient und mussten den Ligenvergleich nicht scheuen. Wohlgemerkt: Brace und Schell sowie im späteren Saisonverlauf Goalie Eric Hartzell wurden alle von Eren in kürzester Zeit verpflichtet. Sie schlugen ein, wohin die von Wolf nach wochenlanger Sichtung ausgesuchten Akteure fast durch die Bank hinweg enttäuschten. Als dann im Hauruck-Verfahren Aziz Baazzi in der Defensive verpflichtet wurde, fand sich Lewis als überzähliger Ausländer auf der Tribüne wieder - bis seine Eindeutschung über die Bühne gegangen war.

Sollte Fabian Dahlem auch kommende Saison Trainer der Falken sein?

Nicht an den Worten, sondern an den Taten musste sich Wolf messen lassen. Bei seiner Vorstellung als Coach hatte er unmissverständlich klargemacht, dass der Gegentorschnitt von fast fünf Treffern aus der Vorsaison indiskutabel sei: „Ich werde ein gut strukturiertes, defensiv ausgerichtetes Eishockey spielen. Der Schnitt muss um mindestens zwei Treffer gesenkt werden.“ Leere Versprechungen. Der Schnitt stieg sogar auf teilweise über sechs Tore an. Von Struktur war überhaupt nichts zu sehen, und defensiv präsentierte sich das Team größtenteils desolat. Im Sturm war es keinen Deut besser. Bis zu seiner Entlassung im Januar wussten die Spieler nicht, welche Laufwege sie gehen sollen, offenbarten Mängel im Spielaufbau, und ohne die Torfabrik Brace/Schell wäre die Ausbeute in 52 Pflichtspielen wohl im zweistelligen Bereich geblieben. Hinzu kamen die schlechtesten Ligawerte im Powerplay und Unterzahlspiel.

Saisonbilanz: So spielte die Falken-Abwehr

Wolf fand für all das immer eine Erklärung. Nach 20 Spielen und gerade einmal sechs von 60 möglichen Punkten wiederholte er gebetsmühlenartig, dass er schließlich „nur“ einen Oberliga-Kader hätte. Als diese Leier ihm keiner mehr abkaufte, fand er andere abstruse Begründungen. Erst war es das schlechte Eis in Heilbronn, dann die falschen Trainingszeiten, dann mäkelte er an der Ernährung seiner Spieler rum, und irgendwann war die schlechte Berichterstattung der örtlichen Presse schuld. Wolf merkte früh, dass seine Unterstützung bröckelte, hatte aber das Glück, dass immer, wenn sein Stuhl bedenklich wackelte, ein Sieg heraussprang. Beim 3:2-Auswärtserfolg in Freiburg, beim Derby-Sieg über Bietigheim oder gegen Kaufbeuren.

Mit fatalen Folgen für die Abstiegsrunde. Denn auch Wolf war klar, dass Schell und Brace seine Lebensversicherung darstellten. Ununterbrochen brachte er die beiden aufs Eis. Jedes Über- und Unterzahlspiel mussten sie Schwerstarbeit verrichten. Selbst als bereits im Oktober abzusehen war, dass die Pre-Playoffs nie erreicht würden, absolvierten die Kanadier jede Partie mindestens 30 Minuten Eiszeit. Je länger die Saison ging, desto weniger stimmte die Chemie zwischen Trainer und Mannschaft. Nacheinander demontierte er Tom Fiedler, Carsten Gosdeck und Matthias Forster. Zumindest die beiden Letztgenannten waren seit Jahren erfolgreiche Zweitliga-Spieler, doch Wolf war nie in der Lage, ihre Stärken zur Geltung zu bringen. Lieber stempelte er sie zum Sündenbock ab.

Auch auf der Torhüter-Position bewies er keinen guten Riecher. Peter Holmgren, von Wolf bei seiner Verpflichtung sofort mit dem Status der Nummer eins ausgestattet, war nur selten der erhoffte Rückhalt, den ein gegen den Abstieg kämpfendes Team benötigt. Erst als die Kritik an Holmgren umschlug und der Trainer für dessen Leistungen verantwortlich gemacht wurde, handelte er und beorderte Back-up Domenik Bartels ins Tor. Nur einmal keimte Hoffnung auf, dass die Falken unter Wolfs Regie doch noch den letzten Platz verlassen könnten. Das war, als Hartzell an den Neckar kam und vier Siege in fünf Spielen sicherstellte.

Doch wie im ganzen Saisonverlauf, konnte der Trainer in entscheidenden Partien keine Impulse ans Team vermitteln. Zu Weihnachten gastierte Freiburg in der Käthchenstadt. Mit einem Sieg hätte man die Breisgauer überholt. Das Ende ist bekannt. Die Partie ging mit 0:2 verloren und danach konnten die Falken keinen Stich mehr machen. Die logische Konsequenz: Wolf wurde im Januar von seinen Aufgaben entbunden.

Erst Goalie Hartzell sorgte für Stabilität

Für ihn übernahm Fabian Dahlem. Der gebürtige Rosenheimer hatte nur eine Aufgabe: den Klassenerhalt sicherzustellen. „Die Zeit ist sehr knapp“, sagte er bei seiner Verpflichtung. Anders als Wolf, legte er wirklich sein Augenmerk auf die Defensive. Jetzt machten die Falken die neutrale Zone dicht, im Abwehrbereich war Struktur zu erkennen. Allerdings musste er mit der Hypothek der Spielerverpflichtungen seines Vorgängers leben. Auch er konnte nicht zaubern und aus einer Ente einen Porsche formen.

Zumal der 50-Jährige auch das Pech gepachtet hatte. Gleich zu Beginn seiner Amtszeit verletzte sich Hartzell und kam erst zu den Playdowns wieder zurück. Kurz vor Beginn der Abstiegsrunde: das Aus für Brad Schell. Just wenige Tage, nachdem das Transferfenster geschlossen worden war. Es konnte kein Ersatz mehr besorgt werden. In der Serie gegen Weißwasser fielen dann auch noch Forster und Kapitän Thomas Gödtel mit Knochenbrüchen aus.

Trotzdem hielt Dahlem die Hoffnungen auf den Ligaverbleib bis zum letzten Spiel aufrecht. In privaten Gesprächen gewährte er manches Mal Einblicke in sein Innenleben. Dabei wurde vor allem eines deutlich: Er war überhaupt nicht zufrieden mit dem Fitness-Zustand einiger Spieler. Deshalb war das Scheitern in der Abstiegsrunde nur die logische Konsequenz einer völlig verkorksten Saison, an der Dahlem den geringsten Anteil hatte.

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Marc Thorwartl

Marc Thorwartl

Als Reporter bei den "Falken" immer auf Puckhöhe, auch auf regionalen Veranstaltungen mittendrin. Kolumne: "Eiskalt".

E-Mail:marc.thorwartl@echo24.de

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