Landesmeisterschaft: Heimsieg beim Poetry Slam

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Der Gewinner: Stefan Unser.
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Stefan Unsers Message: „Pisser sollen wieder Pisser heißen“.

Auf drei, auf zwei, auf eins - Poetry Slam! Die Moderatoren Philipp Herold und Nektarios Vlachopoulos heizen die Stimmung bei den Dichter-Meisterschaften ordentlich an.

Sechs Minuten, die über Sieg und Niederlage entscheiden. Sechs Minuten Seelenstriptease. Sechs Minuten in denen es gilt, völlig Fremde von der eigenen Person und der eigenen Message zu überzeugen.

Impressionen vom Poetry Slam in Heilbronn 

Beim Finale der 7. Landesmeisterschaften der baden-württembergischen Poetry-Slammer sind es die sechs Minuten von Stefan Unser, die die Publikums-Jury begeistern.

Es ist ein Heimspiel für den Heilbronner an diesem Abend. Zuvor hatte er sich gemeinsam mit sieben anderen gegen Poeten und Poetinnen aus dem ganzen Bundesland durchgesetzt. Im Finale gilt es "abzuliefern", sagt Simon Sahner und er muss es wissen.

Er selbst war noch tags zuvor, im Halbfinale gescheitert. Und Stefan liefert - die Sitzplatzblockierer in der Bahn bieten ihm Angriffsfläche. Nach einem ernsten Einstieg bringt Stefan praktische Alltagstipps. "Einfach auf die Taschen draufsetzen", die die Plätze in der Bahn blockieren, weil ignorante Fahrgäste keinen Sitznachbarn wünschen. "Ich erkenn dann am ‚Plopp‘, welcher Joghurt gerade in der Tasche ausgelaufen ist", sagt Stefan in seiner Performance. Das Publikum stimmt nur zu gerne in die Schadenfreude mit ein.

Poetry-Slam funktioniert auch gestern im Heilbronner Theater, wie Dichterwettstreit schon vor tausenden Jahren funktioniert hat: Die Performance muss authentisch sein und das Publikum entscheidet über Erfolg und Niederlage. Zehn willkürlich ausgewählte Zuschauer werden zu Literaturkritikern und halten Tafeln mit Punktzahlen von 1,0 bis 10,0 hoch.

Authentisch ist das Stichwort - auch der zweite Text von Stefan, den er im Stechen vorträgt ist aus dem Alltag gegriffen. Er wünsche sich mehr Helden, die wirklich Helden sind und "dass Pisser, wieder Pisser heißen". Die ganzen Schönumschreibungen, die schlimme Dinge besser klingen lassen sollen, nerven ihn. Hinter jeder Aussage steckt nicht nur Humor, es ist auch ein kritischer Blick auf das Leben im Allgemeinen - und auf Bahnfahrer im Besondern.

Am Ende stehen 75 Punkte für Stefan auf der Anzeige. Damit holt er sich den knappen Sieg. Keine Sieger-Pose, kein Jubeln - ein einfaches "Danke, ich bin überwältigt", sagt er ins Mikrofon. Der vorher noch so wortgewandte Poet ist plötzlich sprachlos. Vielleicht kann er seinen Erfolg ja bei der Bahnfahrt auf dem Weg nach Hause genießen - vorausgesetzt da blockiert keiner seinen Sitz mit einer Tasche.

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