29-Jähriger wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung verurteilt

Neun Jahre Haft nach Messerangriff

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Das Urteil ist gefallen: Ein 29-jähriger Syrer muss neun Jahre ins Gefängnis, weil er in Heilbronn-Neckargartach zwei Polizisten angegriffen hat.

29-Jähriger muss nach Angriff auf zwei Polizisten wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung in Haft

Ein 29-Jähriger, der im Juli 2015 zwei Polizisten mit einem Messer angegriffen und verletzt hatte, ist zu neun Jahren Haft verurteilt worden. Das Landgericht Heilbronn sprach ihn am Donnerstag wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung schuldig.

Angriff auf den Rechtsstaat

Der Vorsitzende Richter Roland Kleinschroth bezeichnete die Tat als „Angriff auf die Institution Polizei, unseren Rechtsstaat und jeden rechtschaffenen Bürger“. Beim Täter habe man eine sprunghafte und problematische Persönlichkeit festgestellt. Obwohl die Behörden ihn ausreichend unterstützt hätten, habe sich der aus Syrien stammende Mann in Deutschland schlecht behandelt gefühlt und mehrmals mit Rache und der Tötung von Menschen gedroht. Mit seiner „ungeheuerlichen, brutalen und verabscheuungswürdigen“ Tat habe er ein schlechtes Licht auf alle Asylbewerber und Flüchtlinge geworfen. Die Öffentlichkeit bat der Richter, das Verhalten des Angeklagten nicht zu verallgemeinern.

Polizei war nicht zuständig

Der Mann war 2012 nach Deutschland gekommen, nachdem er in Syrien ein Studium der Biochemie abgeschlossen hatte. Er kam in Köln an und zog über Umwege in den Heilbronner Stadtteil Neckargartach, wo Verwandte von ihm lebten. Dort suchte er den örtlichen Polizeiposten mehrmals mit Anliegen auf, für welche dieser nicht zuständig war. Unter anderem legte er eine Zahlungsaufforderung des Jobcenters vor und verlangte, ins Gefängnis zu kommen.

Angriff mit Küchenmesser und Hammer

Auch kurz vor seiner Tat suchte er im Revier Hilfe bei Anliegen, deren Zuständigkeit nicht bei der Polizei lag. Dabei trug er in einem Rucksack einen Hammer und zwei Küchenmesser mit sich. Auf Anordnung der Beamten verließ er das Gebäude, verschaffte sich dann aber gewaltsam Zutritt zurück in den Innenbereich und griff die Polizisten mit den Waffen an. Einer der Beamten stoppte ihn mit sechs Schüssen aus seiner Dienstpistole. Beide Polizisten wurden beim Angriff verletzt, einer davon schwer. Er musste wie der Angreifer durch eine Notoperation gerettet werden.

Spontane Tat

Die Kammer ging trotz der mitgebrachten Waffen nicht von einer geplanten Aktion, sondern von einer „Spontantat“ aus. Erst als er zurückgewiesen worden sei, habe der Täter den Entschluss gefasst, die Beamten zu töten. Für Fälle mit spontanem Tatentschluss seien die Anforderungen für Mordmerkmale höher und in diesem Fall nicht zweifelsfrei erreicht, erklärte der Richter.

Mord oder Totschlag?

Das Urteil blieb unter dem von der Nebenklage geforderten Strafmaß. Diese hatte eine Haftstrafe im „mindestens zweistelligen Bereich“ wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung verlangt. Die Staatsanwaltschaft und die Verteidigung hatten auf versuchten Totschlag und gefährliche Körperverletzung und eine Haftstrafe von acht beziehungsweise sieben Jahren plädiert.

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