Familien mit Hartz-IV-Bezug

Erschreckend: Im Südwesten wächst Kinderarmut

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Symbolbild.

Der Anteil von armen Kindern in Baden-Württemberg ist in den vergangenen Jahren gestiegen.

Diese Zahlen geben zu denken: Der Anteil von Kinderarmut in Baden-Württemberg ist in den vergangenen Jahren um 0,5 Prozent gestiegen.

Während 2011 die Quote von Kindern und Jugendlichen, die in Familien mit Hartz-IV-Bezug leben, noch bei 7,5 Prozent lag, waren es im vergangenen Jahr ganze acht Prozent. Das bestätigte am Montag die Bertelsmann-Stiftung. Damit liegen die Werte allerdings deutlich unter dem Bundesschnitt, der im vergangenen Jahr 14,7 Prozent betrug.

Doch wie definiert man Kinderarmut in Deutschland überhaupt? Martina Grön, Geschäftsführerin vom Deutschen Kinderschutzbund Kreisverband Heilbronn, erklärt: "Der Bezug von Hartz-IV gehört ganz klar dazu." Darüber hinaus spielen noch weitere Faktoren eine Rolle. "Wir sprechen auch von Armut bei Familien, die kein Arbeitslosengeld beziehen, aber wenig verdienen und sich dadurch nicht viel leisten können. Sie leben oft am Existenzminimum."

Zudem sei noch ein Problem, dass viele Kinder an verschiedenen Angeboten, wie Ausflüge oder Mittagessen nicht teilnehmen können. "In unserer Gesellschaft passiert es, dass Kinder Probleme bekommen, wenn sie andere Klamotten anhaben. Sie werden dann ausgegrenzt. Armut ist ein Phänomen, das Kinder extrem belastet."

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Enorm sind auch die regionalen Unterschiede im Südwesten: In Mannheim und Pforzheim ist jeder fünfte unter 18-Jährige arm. In Heilbronn liegt die Quote bei 14 Prozent. Im Hohenlohekreis hingegen beläuft sich der Anteil auf nur 3,9 Prozent. Grön: "Das kann damit zusammenhängen, dass Heilbronn eine ganz andere Population hat als der Hohenlohekreis."

Grön betont aber, dass das Armutsrisiko für junge Menschen höher sei, wenn sie mit nur einem Elternteil leben: "Das ist ein riesiges Problem. Ich schätze, dass in Heilbronn mehr alleinerziehende Elternteile leben, als in Hohenlohe." Der Anteil der Kinder, die nur mit Vater oder Mutter und von Hartz-IV leben, an allen Kindern aus Familien mit dieser Leistung beträgt im Südwesten 52,4 (Deutschland 50,2) Prozent. Dabei stellen die Alleinerziehenden unter allen baden-württembergischen Familien mit Kindern nur 16,3 Prozent (2014).

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