Imker aus Neckargartach öffnet den Stock

Honigsüßes Hobby mit gelb-schwarzen Superhelden

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Imker Oskar Rudolf zeigt die Bienen aus der Nähe - gestochen wird er dabei nicht.

Oskar Rudolf ist prämierter Imker und öffnet für echo24.de das Tor in eine andere Welt.

Summ, summ, summ, Bienchen summ herum: Der Geräuschpegel ist enorm, wenn Oskar Rudolf den Deckel eines Bienenstocks öffnet. Zu hunderten sausen die gelb-schwarzen Honigproduzenten aus dem Stock, noch viel mehr wuseln über die kleinen Waben. Der Blick in das Zuhause der Bienen fordert Mut - doch wer die Nähe zu den Insekten wagt, den erwartet ein faszinierendes Schauspiel.

"Bienen sind unglaublich tolle Tiere. Sie sind sehr fleißig, alles was sie produzieren ist gesund und kann von uns genutzt werden. Außerdem braucht die Welt sie unbedingt", sagt Rudolf. Nur zwei Fahrminuten über einen Feldweg sind es bis zu seinen Bienenvölkern. Etwa 16 Stück leben in den kleinen Häuschen auf seinem Grundstück.

In jedem von ihnen lebt eine Bienenkönigin mit ihrem Volk. Auf den ersten Blick herrscht im Stock das völlige Chaos. Aber jede Biene findet doch auf erstaunliche Weise ihren Platz. "Das funktioniert bei Bienen alles über Duftstoffe. Die Pheromone koordinieren alles", erklärt Rudolf.

Die Bienenkönigin findet mühelos freie Waben, in die sie ihre Eier legt, die Arbeiterinnen sind mit der Aufzucht der Maden, dem Putzen und Nektarsammeln beschäftigt. Einige wenige allerdings gehören zum Fußvolk. Sie begleiten die Königin auf Schritt und Tritt. "Diese Arbeiterinnen sind nur dafür zuständig die Königin mit Nahrung zu versorgen, sobald sie stoppt. Sonst würde der Königin die Kraft beim Eierlegen ausgehen."

Und wirklich: Sobald die Königin eine Pause einlegt läuft die private Tankstelle zur Höchstform auf und macht ihren Job. Dass alles so reibungslos funktioniert ist aber nicht nur den fleißigen Bienchen zu verdanken. Damit sie sich so wohlfühlen gibt ihr Imker alles.

"Das ist nicht mein Beruf, sondern mein Hobby. Aber es ist unglaublich viel Arbeit. Und das zu jeder Jahreszeit. Viele unterschätzen das", sagt der 67-Jährige. Und nicht nur das, auch Geld spielt eine Rolle.

Auf der Suche nach der Königin

"Ab und zu kaufe ich eine Bienenkönigin. Die kosten teilweise 200 Euro. Dazu kommen die Gerätschaften. Immer wieder geht auch mal ein Volk ein." Trotzdem: Oskar Rudolf ist Imker mit Leidenschaft. Wenn er mit bloßen Händen eine Traube voller Bienen aufnimmt und zeigt, wie friedlich seine Schützlinge sind, schwingt Stolz in seiner Stimme mit.

Und das zurecht: Denn der Honig seiner Bienen wurde in diesem Jahr hoch prämiert. Der Imker-Landesverband vergab den 1. Preis für den Honigtauhonig. Bei einer Kostprobe wird klar: Eine verdiente Auszeichnung! Ob cremig oder nicht - der süße Brotaufstrich schmeckt auch pur vom Löffel unglaublich gut.

"Ich freue mich darüber, aber darauf bilde ich mir nichts ein. Den größten Anteil haben die Bienen. Ich schaffe sauber, das ist das wichtigste. Das merkt man auch an meinem Honig, denke ich."

Rudolf hofft, dass mehr Menschen Imker-Honig kaufen: "Der Honig im Supermarkt hat oft alle guten Inhaltsstoffe verloren. Dabei ist Honig gesund. Zum Süßen viel besser als Industriezucker. Wachs, Blütenpollen, sogar die Luft im Bienenstock kann man verwenden und alles ist natürlich und hat heilende Wirkung."

Kaufen Sie Ihren Honig beim Imker?

Wenn die Bienen schwer beladen mit Pollen oder Nektar den Eingang zum Stock passieren, zu ihrem Ziel rasen, alles abladen um gleich darauf wieder loszudüsen, dabei stehts für die Bestäubung der Bäume sorgen und leckeren Honig produzieren - dann sehen sie wirklich aus wie Superhelden.

Julia Fischer

Julia Fischer

Lifestyle, Essen und Trinken sind ihre Themen. Auch als Szene-Reporterin und bei lokalen Events mittendrin. Kolumne: "Angerichtet".

E-Mail:julia.fischer@echo24.de

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