Skepsis bei Heilbronner Einzelhändlern

"Helfende Hand" oder "Helfende Faust"?

Endet die friedliche Aktion in Gewalt?

Selbstloser Sicherheitsdienst oder schlaue Marketing-Masche? Die Aktion der Thaibulls sorgt weiter für Diskussion.

Man sieht sie überall: Hinter den großen Schaufenstern in Heilbronn kann man in letzter Zeit nicht nur Sale-Schilder und Schaufenster-Puppen bestaunen. Viele Geschäfte verbindet noch mehr: ein weißer Aufkleber mit schwarzer Hand, auch "Helfende Hand" genannt.

Die Thaibulls Heilbronn, die die Aktion mit den Safe-Points ins Leben gerufen haben, bekommen nicht nur Zustimmung. Aber was kann denn daran so schlecht sein?

Thomas Gauß, Vorsitzender der Stadtinitiative Heilbronn, ist  Geschäftsführer bei Intersport Saemann in der Kaiserstraße. Wie alle Mitglieder der Stadtinitiative habe auch er keine "Helfende Hand" in seinem Schaufenster.

Alle seien gegenüber der Aktion skeptisch. Gauß: "In den Nachtstunden, in denen primär Vorfälle passieren könnten, haben die meisten Geschäfte geschlossen. Inwieweit die 'Helfende Hand' für Händler Sinn macht, muss aber jeder für sich selbst wissen."

Dem kann Eva Schnepf, Geschäftsführerin des Schreibwarenladens "Seel" in Heilbronn und auch Vorstandsmitglied der Stadtinitiative, nur zustimmen: "In den Nachtstunden haben wir zu." Trotzdem bieten natürlich alle Geschäfte der Stadtinitiative Menschen in Not Hilfe - besonders Kindern.

Was halten Sie von der "Helfenden Hand"?

 

Gauß erklärt: "Wir haben schon lange 'Notinseln' eingerichtet, um Schutz für jeden zu bieten, der diesen benötigt." Bei einer brenzligen Situation kann man in jedem Laden mit einer "Notinsel" Hilfe rufen. Aber auch sonst ist Zivilcourage für Gauß selbstverständlich: "Ohne den Aufkleber der 'Helfenden Hand' kann auch jeder während der Öffnungszeiten zu uns kommen und Hilfe rufen."

Allerdings betont er auch, dass es andere Möglichkeiten gibt, um nachts Hilfe zu finden. "Wir haben schon den kommunalen Ordnungsdienst, der jeden Tag präsent ist."  Außerdem stellt sich auch für Gauß die Frage, was passiert, wenn die Initiatoren selbst zu einem Vorfall kommen. "Wird die helfende Hand dann zur helfenden Faust?"  Auch Günther Letzel, Geschäftsführer des Spielwarenladens Letzel, ist nicht überzeugt vom Konzept: "Die Polizei ist der Ordnungsdienst und Deutschland."

Außerdem gibt es Zweifel: Wurde die Aktion wirklich aus reiner Nächstenliebe initiiert? Gauß: "Ich halte die 'Helfende Hand' für puren Aktionismus. Das ist eine Werbeaktion der Thaibulls." Egal wie, fest steht: Ob mit oder ohne Aufkleber - es sollte immer Zivilcourage geleistet werden.

Von Jasmin Stirn

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