Interview mit den Machern der Aktion

"Helfende Hand ist nicht die Gruppe Spaziergang"

+
Bernd Dorst (von links), Justin Meier und Gero Meier von den Thai-Bulls Heilbronn.

Bernd Dorst und Gero Meier sind die Initiatoren der privaten Schutzaktion in Heilbronn.

Die Nachricht einer privaten Schutz-Aktion der Thai-Bulls Heilbronn schlug in den sozialen Netzwerken ein wie eine Bombe. Dabei gehen die Meinungen der Community aus Heilbronn und der Region auseinander. Oft werden vor allem die "Spaziergänge", die für Sicherheit auf den Straßen sorgen sollen, sehr kritisch betrachtet. Andere User wiederum befürworten die Aktion und sind "froh, dass endlich etwas getan wird".

Jetzt wollen Bernd Dorst und Gero Meier von den Thai-Bulls Heilbronn mit den Vorurteilen aufräumen. Wir trafen die beiden Initiatoren der "Helfenden Hand" zum Interview.

echo24.de: Was genau ist die "Helfende Hand" und - vor allem - was ist sie nicht?

Bernd Dorst: Wir haben die Aktion ins Leben gerufen, weil viele Frauen in unserem Klub sich nicht mehr auf den Straßen sicher fühlen. Wir haben uns Gedanken gemacht, wie wir helfen können, und sind dann auf die "Helfende Hand" gekommen. Uns geht es nicht um irgendwelche Nationalitäten. Unser Ding ist in keinem Falle: Gewalt gegen Gewalt. Wir wollen nur anderen Menschen eine Anlaufstelle geben, zu uns zu kommen, wenn sie verfolgt werden oder Schutz brauchen.

Gero Meier: Uns geht es nicht um den Täter, um Politik oder Gruppierungen. Uns geht es um die Opfer. Über die spricht nämlich niemand. Klar haben wir ein anderes Aussehen als Kinder, Frauen oder ältere Leute. Daher können wir durch unser Aussehen alleine schon deeskalierend wirken.

Mit welchen Vorurteilen haben Sie zu kämpfen?

Dorst: Was viele nicht wissen: Wir sind nicht die Gruppe "Spaziergang". Das ist eine ganz andere Sache.

Meier: Parallel zur "Helfenden Hand" hat sich diese Gruppe entwickelt. Der Grund war, dass ein Gründungsmitglied der Thai-Bulls Opfer eines Gewaltverbrechens in Heilbronn wurde. Die Gruppe "Spaziergang" demonstrierte gegen die immer mehr aufkommende Gewalt. Bei dem ersten Spaziergang war ich dabei, weil ich die Aktion toll fand und ich mir das anschauen wollte. Ich habe aber keine Zeit für sowas. Viele verbinden uns eben mit dieser Gruppe.

Würden sie die "Helfende Hand" in Anspruch nehmen?

Vielleicht liegt es daran, dass Ihr Logo auf dem Flyer der Gruppe Spaziergang gedruckt ist...

Meier: Die Gründer haben mich gefragt, ob sie die Hand draufdrucken lassen können. Ich habe 'ja' gesagt. Die kann sich eh jeder im Internet ausdrucken. Aber dass sich danach dann 50.000 Leute bei uns melden, das konnte ja keiner wissen. Wir sind ja selbst erschrocken.

Dorst: Uns geht es doch nur darum, dass wir die zehn Minuten, bis die Polizei kommt, für die Opfer da sind. Wir halten nur hin. In den zehn Minuten kann so viel passieren.

Inwieweit könnte es gefährlich werden, wenn sich viele Heilbronner dazu berufen fühlen, auf Spaziergängen für Ordnung in Heilbronn zu sorgen? Was, wenn unterschiedliche Ziele verfolgt werden?  

Meier: Ich kann mir vorstellen, dass es Angst machen kann, wenn eine größere Gruppe auf einen zukommt. Ich weiß aber nicht, welche Gesinnung die Mitglieder der Spaziergang-Gruppe haben. Ist mir auch egal und nicht meine Aufgabe, danach zu schauen. Grundsätzlich finde ich es eine schöne Sache, wenn man zusammen läuft, um auf Gewalt aufmerksam zu machen. Ich persönlich denke aber, dass es nicht viel bringt, als Gruppe durch Heilbronn zu laufen. Dafür werden sie kein entsprechendes Publikum finden.

Können Sie sich vorstellen, warum die Aktion so kritisch hinterfragt wird - von Polizei, Stadtinitiative und Facebook-Community?

Meier: Nein. Wir wissen doch, dass die Polizei eine gute Arbeit leistet. Sie hält jeden Tag ihren Kopf hin. Wir trainieren selbst Polizisten. Sie tun mir sogar leid. Und sie können einfach nicht überall sein. Wir kriegen doch mit, was jeden Tag abgeht. Wir wollen nur Leuten, die in Gefahr sind, Schutz geben.

Dorst: Wo ist das Problem, wenn sich Leute Aufkleber an die Scheibe machen, um auf einen Fluchtpunkt aufmerksam zu machen?

Meier: Wir möchten nicht in eine politische Ecke gedrängt werden. Wir sind völlig unpolitisch.

Fühlen Sie sich oft unverstanden?

Meier: Ja. Es wird nie über das Positive gesprochen. Wir erhalten so viel Zustimmung per Mail. Das interessiert keinen. Wir sind doch einfach nur ein Box-Klub, der versucht, zu helfen.

Dorst: Wir haben hier 50-70 Kinder, auch Rollstuhlfahrer und Kinder mit Down-Syndrom und und und... Wir tun jede Menge Soziales. Das wird nirgends erwähnt.

Meier: Wir sammeln gerade Geld für eine krebskranke Frau. Davon spricht kein Mensch. Wir fühlen uns ungerecht von den Medien behandelt.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Meier: Ich wünsche mir, dass die Leute nicht mehr auf der Straße misshandelt werden. Wir möchten einfach mehr Sicherheit. Wir drehen auch ein Video, um unsere Sicht der Dinge zu zeigen, sodass wir nicht mehr missverstanden werden. Wir haben nichts zu verbergen und ziehen nur das durch, was wir gesagt haben. Gerne können Sie mal zum Training zu uns kommen. Da wird sicher deutlich, dass wir wie eine große Familie mit sozialem Denken sind.

Mehr zum Thema:

Gefühl von Sicherheit oder viel Wind um nichts?  Händler der Stadt sind gegen "Helfende Hand"

Facebook-Reaktionen:  Initiative "Helfende Hand" schlägt hohe Wellen

"Helfende Hand": Kritische Töne von der Polizei

Initiative der Thaibulls Heilbronn: Das bedeutet die schwarze Hand

Vanessa Sica

Vanessa Sica

Mode- und Lifestyle-Expertin. Für Recherchen von regionalen Themen und als Szene-Reporterin immer unterwegs. Kolumne: "Vashionessa".

E-Mail:vanessa.sica@echo24.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare