Durchwachsene Bilanz

Fandorf-Halbzeitbilanz fällt düster aus

Der Veranstalter nennt gleich mehrere Gründe für den Zuschauerrückgang.

Tatort Fandorf. Vergangenen Dienstag. Letztes Vorgruppenspiel zwischen Deutschland und Nordirland. Für die DFB-Elf geht es um den Gruppensieg. Und kaum jemanden interessiert es. Die Polizei spricht von 4.700 Zuschauern beim Public Viewing auf der Theresienwiese. 20.000 hätten Platz gehabt.

"In der Vorrunde, bei der wir 16 Partien live übertrugen, konnten wir insgesamt 18.000 Fans hier begrüßen", erklärt HMG-Chef und Mitveranstalter Steffen Schoch. "Mit 36.000 hatten wir gerechnet." Ein bundesweiter Trend. Überall sind die Zuschauerzahlen rückläufig. Schoch: "Wir haben noch Glück gehabt. Andere Fandörfer oder Public-Viewing-Plätze hatten Rückgänge von bis zu 90 Prozent zu verkraften."

Die ganze Theresienwiese in schwarz-rot-gold

Aber er kann auch Positives vermelden: "Bisher gab es keine erwähnenswerten Vorkommnisse und wir konnten bedeutend mehr weibliche Besucher begrüßen." Darauf wurde jetzt im Hinblick auf das Achtelfinale reagiert: "Wir haben mehr weibliches Security-Personal eingestellt."

Schoch blickt zuversichtlich auf den weiteren Turnierverlauf: "Die Stimmung war bisher zwar nicht euphorisch, aber gut. Sie steht und fällt mit der Leistung der deutschen Mannschaft. Jetzt in der K.o.-Runde geht es um alles oder nichts. Das interessiert die Fans." Klar ist: Je länger Deutschland dabei ist, desto mehr Besucher werden auf die Theresienwiese strömen.  

Werden Sie die EM-Spiele ab sofort auf dem Fandorf anschauen?

Mitveranstalter Stefan Hamann sieht drei Hauptgründe für das bisher nur schleppende Zuschauerinteresse: "Viele Fußball-Fans haben erst einmal abgewartet. Die Befürchtung, dass etwas bei der EM passiert, war groß und große Fußballveranstaltungen wurden lieber gemieden."

Entscheidenden Einfluss hatte auch das Wetter. Hamann: "Seien wir ehrlich. Wer die Wahl zwischen Grillabend und gemütlichem Zusammensein im heimischen Wohnzimmer oder der Aussicht, auf dem Fandorf nass zu werden hat, hat sich mit großer Wahrscheinlichkeit für die erste Variante entschieden. Am Dienstag, eigentlich dem ersten halbwegs warmen Tag, hatten wir gleich viel mehr Zuschauer hier."

Und dann sieht Hamann eine Zuschauerbremse auch noch im Modus: "Die ganze EM ist unglaublich aufgebläht. Die ganze Vorrunde ist ein einziges Geplänkel. Zwei Drittel aller Teams kommen weiter. Das interessiert doch nicht. Eigentlich geht die EM erst jetzt richtig los." Zumal der Vorrunden-Modus viele Fragezeichen offen ließ: "Wir hätten den Fans nach dem Dienstag-Sieg so gerne gesagt, auf wen Deutschland am Sonntag trifft. Aber es standen ja drei mögliche Gegner zur Auswahl. Von Planungssicherheit konnte keine Rede sein."

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Marc Thorwartl

Marc Thorwartl

Als Reporter bei den "Falken" immer auf Puckhöhe, auch auf regionalen Veranstaltungen mittendrin. Kolumne: "Eiskalt".

E-Mail:marc.thorwartl@echo24.de

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