Musical "Hair" aus New York nach Heilbronn

Haarige Gesangsorgie - Geschichtsunterricht mal anders

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Musical "Hair" macht Station in der Heilbronner Harmonie.

Freie Liebe, Pazifismus und ganz viele Haare - das Musical wird seinem Namen voll und ganz gerecht.

Haare, Haare und nochmal Haare. Die Perücken der Sänger des Musicals "Hair" sind einer der Eyecatcher am Mittwochabend in der Harmonie Heilbronn. Wilde Mähnen, lange glatte Hippiefrisuren, Dreadlocks - die Haare stehen optisch im Mittelpunkt der Aufführung und sind doch bloß Sinnbilder für eine ganze Bewegung. "Hair" ist Geschichtsunterricht einmal ganz anders.

Da hält einer seinen blanken Hintern ins Publikum, andere schauen bekifft aus der Wäsche und überall Freie Liebe. „Hair“ zeigt die Sechziger als ein Jahrzehnt der Umbrüche, aber auch der krassen Gegensätze.

Das Musical spielt in Amerika. In den Sechzigern sitzt hier eine ganze Generation zwischen den Stühlen. Vietnamkrieg und Pazifismus, Rassentrennung und Toleranzforderungen – die Gegensätze könnten größer kaum sein. Die Hippies wollen mit ihrem Prinzip der Freien Liebe alle Probleme durchbrechen, demonstrieren für Frieden.

Die schönsten Bilder vom Musicalabend

Das Ensemble von "Hair" kommt aus New York, das schnelle Englisch ist selbst für geübte Ohren dann manchmal schwer zu verstehen. Auch, dass bei der Inszenierung des Mottos „make love not war“ die Liebe einen zu hohen Stellenwert bekommt, beeinträchtigt das Verständnis leider teilweise.

Wer die Geschichte von „Hair“ nicht kennt, der muss sich langsam hineinfinden und dennoch geht die dramatische Problematik des Vietnamkrieges angesichts vieler sexuell angehauchter Szenen zum Teil verloren.

"Wir müssen gestehen, dass wir teilweise nicht ganz mitgekommen sind. Und das obwohl wir das Musical kennen", sagen Martina und Karsten Lohfink aus Neckarsulm. Beide sind sich aber einig: "Was an Handlung zwischendurch untergeht, dass haut die Musik wieder raus."

Mit mehr als 30 Liedern ist "Hair" eines der musikreichsten Musicals überhaupt. Hammermäßige Stimmen, tolle Kompositionen und Live-Musik überzeugen auf ganzer Linie. Zudem sind die Schauspieler ständig in Bewegung, versprühen unglaublichen Charme. Und das vor, während und nach der Vorstellung.

Ob im Publikum oder auf der Bühne, stets werden die Haare teil der Performance. Da passiert es auch schonmal, dass einer der Perückenträger einem Glatzenträger die Haare über den Kopf legt. Haare als Symbol für eine Bewegung, für Freiheit und für Liebe. So macht Geschichtsunterricht richtig Spaß!

Julia Fischer

Julia Fischer

Lifestyle, Essen und Trinken sind ihre Themen. Auch als Szene-Reporterin und bei lokalen Events mittendrin. Kolumne: "Angerichtet".

E-Mail:julia.fischer@echo24.de

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