Getuar Hassan stellt Flüchtlinge ein und kümmert sich um deren Integration

Liebe und Fleiß statt Hass

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Getuar Hassan inmitten seiner Angestellten, die aus dem Irak und aus Syrien stammen.
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Den Heilbronner interessiert nur der Mensch – nicht Religion oder Nationalität.

IS-Terror. Krieg. Flüchtlinge. Hass. Gewalt. In Zeiten wie diesen sind Geschichten wie die von Getuar Hassan Balsam. Der Leitspruch des 24-jährigen Heilbronners lautet: „Mein Vater ist der Mann, der mich Ehrlichkeit lehrte, ich folgte seiner Fährte – und das in Stolz mit Ehre und Stärke.“

Stolz, Ehre, Stärke – der Kurde aus dem Irak jongliert mit den Schlagwörtern der rechten Szene. Um ihnen gleichsam Liebe, Vertrauen entgegenzusetzen. Denn: „Die Welt da draußen ist schon krank genug, deswegen müssen wir anders sein.“ Und anders ist Getuar Hassan, der Sohn eines Peschmerga-Kämpfers, der einst vor den Giftgas-Angriffen Saddam Husseins flüchtete und sich in Deutschland vom Zeitungsausträger zum Chef einer florierenden Hoch- und Tiefbaufirma hocharbeitete. Bemerkenswert: Als der deutsche Staat seinem Vater Hilfe anbot, lehnte der sie ab. Hassan erzählt: „Er wollte sich das Geld lieber selbst erarbeiten.“

Niemandem auf der Tasche zu liegen, wurde auch zum Prinzip von Getuar Hassan. Nach Mittlerer Reife und einer Ausbildung zum Automobilkaufmann hatte er gemeinsam mit seinem älteren Bruder die Idee der „Berber Hairlounge“ – „orientalisch frisieren mit Feuer und Farben“. Mittlerweile lenkt Hassan die Geschicke allein.

Das besonders Besondere an dem Konzept: Sämtliche seiner Mitarbeiter sind Flüchtlinge – sowohl Christen als auch Muslime. Hassan erklärt: „Wir schauen nicht auf Herkunft, Nationalität oder Religion.“ Für sie erledigt er alle Behördengänge, meldet sie bei Deutschkursen an und steht ihnen immer mit Rat und Tat zur Seite. „Und wer gegen das System ist, den überzeuge ich vom Gegenteil.“

Der Erfolg gibt Getuar Hassan recht. Die Mitarbeiter haben mittlerweile alle eine eigene Wohnung, ein eigenes Auto, zum Teil auch schon die deutsche Staatsbürgerschaft. Und sein Geschäft boomt. So sehr, dass er demnächst schon bald eine zweite Filiale in Öhringen eröffnen wird – mit zwei weiteren Angestellten.

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