Manuel Miksch aus Sulzfeld arbeitet als Erzieher – und damit in einem typischen Frauenberuf

Der Hahn unter Papageien

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Manuel Miksch aus Sulzfeld arbeitet als Erzieher – und damit in einem typischen Frauenberuf.

Behutsam setzt Manuel Miksch ein kleines Holzboot in die Wanne mit Wasser. Das Dutzend Kinder um ihn herum ist verwundert. Warum geht das Boot nicht unter? „Weil Holz leichter ist als Wasser“, erklärt der 30-Jährige. Die Kleinen staunen – und machen große Augen.

„Das ist eines der Dinge, die ich an meiner Arbeit liebe: auf alles bekomme ich von den Kindern unverfälschte Reaktionen zurück“, erzählt Miksch. Seit 13 Jahren arbeitet der Sulzfelder als Erzieher, seit zehn Jahren im Ittlinger Familienzentrum. Vom Klischee her ist Erziehung Frauensache, aber Miksch erklärt: „Der Umgang mit Menschen macht mir Spaß. Und wenn ein Mann feinfühlig ist und Ruhe ausstrahlt, kann er diesen Beruf genauso gut machen, wie eine Frau.“ Auch wenn Miksch als Hahn im Korb im ausschließlich weiblichen Kollegium die Kinder lieber auf seine Art beschäftigt: „Mir liegt am Herzen, das sich die Kleinen austoben können.“ Fußball, Klettern, Herumspringen – der wilde Teil des Kindergartentages fällt eher in Mikschs Bereich. „Aber ich lese auch gerne vor.“ Im Familienzentrum leitet er die so genannte Papageiengruppe mit 19 Kindern zwischen drei und fünf Jahren. Als Miksch nach der mittleren Reife seine Ausbildung begann, gab’s kritische Stimmen von Freunden. „Viele meinten, das sei kein richtiger Beruf. Aber in den vergangenen Jahren hat sich das Bild des Erziehers gewandelt.“ Familien zerbrechen, beide Eltern sind berufstätig, manche sind alleinerziehend, die Großeltern wohnen weit weg – da braucht es zuverlässige Bezugspersonen. „Es geht nicht nur ums Albern, sondern auch ums spielerische Lernen. Wir schauen, wo das Kind Stärken und Schwächen hat – und geben das an die Eltern weiter.“ Kritik oder Vorbehalte wegen seines Geschlechts hat es noch nie gegeben. „Viele Eltern finden’s gut, dass die Kleinen im Kindergarten nicht nur Frauen um sich haben, sondern auch mal ein Kerl da ist.“ Doch nicht nur Miksch erzieht die Kids, das Verhalten der Kleinen hinterlässt auch bei ihm Spuren: „Man rettet das innere Kind in sich und bewahrt eine Weltsicht, in der man sich auch über Selbstverständliches immer noch wundern kann.“ Und die Kolleginnen? Wenn denen mal was zu schwer ist, haben sie für den Notfall immer einen starken Mann in der Hinterhand.

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