Altbekannt und doch völlig neu

Electric V: Sommersongs, die nach vorne gehen

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Metin Seker (links) und Engin Cap haben sich mit Hip-Hop in Heilbronn einen Namen gemacht.

Die Songs rufen Erinnerungen wach. Und machen Lust darauf, das Plattenregal durchzustöbern.

"Hör mal, Papa, dieser Song ist richtig geil!" Dass sein Sohn Geschmack hat, weiß Engin Cap. Doch als der Heilbronner Musiker dem Tipp des Juniors folgt und in die Nummer reinhört, wundert sich der 44-Jährige doch: Der Sohnemann feiert genau dieselben Songs, zu denen Engin Cap vor mehr als 20 Jahren in der Disco Party gemacht hat – obwohl sie damals auch schon einige Zeit auf dem Buckel hatten. "Es gibt viele Nummern aus den 50er und 60er Jahren, die laufen zu 100 Prozent rund. Das sind Ohrwürmer, die auch heute noch unschlagbar sind", erklärt Cap. "Und die jungen Leute wissen oft nicht, dass die Songs eigentlich Oldies sind."

Electric V motzen Klassiker auf

Zusammen mit Metin Seker hat Cap in den 90ern und Anfang der Nullerjahre die Heilbronner Hip-Hop-Szene geprägt. Unter den Crew-Namen Menyx und Granit hat das Duo zusammen mit anderen Musikern Songs mit positiven Inhalten wie Offenheit, Toleranz und Respekt aufgenommen. Als die beiden im Herbst 2015 an neuen Arrangements arbeiteten und in einer Pause das Radio einschalteten, lief plötzlich "Walking the dog" von Blues-Sänger Thomas Rufus. Cap: "Da hat es 'klick' gemacht."

Das Duo hat in der Vergangenheit gekramt und entdeckt, dass Songs wie "Love and Marriage" von Frank Sinatra oder "Do Wah Diddy Diddy" von der 60er-Jahre-Beatband Manfred Mann heute immer noch gute Laune versprühen. Metin Seker erklärt: "Wir wollten die Songs zeitgemäßer, tanzbarer machen, ohne aber die positive Energie zu verlieren."

Steht ihr auch auf Evergreens?

Und dann ging es für Cap und Seker ans Puzzeln. "Wir haben die Evergreens auseinandergenommen, jeweils in 30-40 Klangschnipsel von wenigen Sekunden zerlegt. Und dann jeden Song neu zusammengebaut", berichtet Cap. Das heißt: Zentrale Stellen eines Liedes werden öfter wiederholt als im Original, das Tempo variiert und plötzlich gesellt sich ein nach vorne gehender Beat dazu, der kein Bein stillstehen lässt. Seker: "Diese Praxis ist gar nicht so weit vom Hip-Hop entfernt. Das Sampeln, also das Nutzen von fremden Soundsequenzen als Grundlage des eigenen Songs, ist gängige Praxis."

Herausgekommen ist eine CD, die genauso heißt wie das Projekt: "Electric V". Zehn Songs, die im Original jeder kennt, die aber nun auch in der modernen Bearbeitung ihren Charme erhalten haben. Seker: "Es geht nicht darum, die Songs besser zu machen. Das geht sowieso nicht. Vielmehr wollen wir uns vor den Klassikern verbeugen, ein paar neue Facetten herauskitzeln, das Bekannte mit eigenen Arrangements verbinden und dazu einladen, die Originale mal wieder herauszukramen." Und egal, ob bekannte Version oder funkige Aufbereitung: die Songs versprühen eine positive Leichtigkeit. Und die passt perfekt zum Sommer.

Daniel Hagmann

Daniel Hagmann

Als Reporter in der Region unterwegs. Hauptinteressen: Kunst, Kultur und Kokolores im echo24-Land. Kolumne: "Nachgehagt".

E-Mail:daniel.hagmann@echo24.de

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