"Wer gewinnen will, muss fleißig sein"

Gänsehaut-Geschichte: Zu Fuß nach Deutschland

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Rabie Sikel.

Rabie Sikel ist ein Flüchtling aus den Maghreb-Staaten, der gegen alle Vorurteile und Hürden ankämpft.

Er kommt aus Algerien. Alleine. Jetzt ist er in Deutschland. Alleine. So lässt sich die Situation des 29-jährigen Rabie Sikel am besten beschreiben.

Vor neun Monaten steht Sikel vor der wohl wichtigsten Entscheidung seines Lebens: Er verlässt seine Heimat Algerien mit dem Flugzeug in Richtung Türkei. Ab da an durchläuft er eine regelrechte Odyssee. Über Griechenland, Mazedonien und Serbien kommt Sikel bis nach Deutschland – meistens zu Fuß! Doch endlich angekommen, fängt die eigentliche Herausforderung erst an.

Als Flüchtling aus Algerien hat er keine Chance auf Asyl. Das heißt: Keine Unterstützung, keinen Deutschkurs, keine Perspektive.

Aber Sikel ergibt sich nicht in sein Schicksal. Wenn er nicht in einem Kurs lernen kann, dann eben im echten Leben. Für zwei Monate arbeitet er zunächst freiwillig im Heilbronner Tierheim und lernt seine ersten deutschen Wörter. Danach jobbt er für einige Zeit in der Bücherei im Heilbronner K3. Sikel sagt dazu nur: "Wenn man im Leben gewinnen will, muss man fleißig sein. Das zahlt sich aus."

Und er soll Recht behalten. Ein Kontakt zu einer Mitarbeiterin des Arbeitsamts verhilft ihm zu einem Praktikum! Bei Thyssen Krupp bekommt er das erste Mal nach langer Zeit in Deutschland auch Sprachunterricht für zwei Monate. Davor hat er sich mit den wenigen Brocken Deutsch, Englisch oder Französisch irgendwie durchgeschlagen.

Doch mit dem Praktikum ist noch lange nicht Schluss. Zur Zeit arbeitet Sikel fast 16 Stunden am Tag. Denn er hat einen Job bei Burger King. Zu der körperlichen Belastung kommt die seelische. Der 29-Jährige vermisst seine Familie. Die hat Sikel seit seiner Flucht nicht mehr gesehen. "In Algerien ist das Leben schwierig. Es gibt nur eine schlechte medizinische Versorgung und die Regierung ist eine Diktatur."

Also bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich durchzubeißen. "Heute ist ein guter Tag", sagt er und zeigt stolz seinen Arbeitsvertrag. Im September beginnt er eine Ausbildung als Industriemechaniker bei der Heilbronner Salzwerke AG. Wenn er das Deutschen erzählt, reagieren viele erst negativ, weil sie ihre Vorurteile haben. Sikel: "Es gibt leider Ausnahmen, bei denen Nordafrikaner negativ auffallen. Das macht mich traurig." Trotzdem hat er es geschafft. "Ich habe hier Freunde aus Algerien, Syrien und auch aus Deutschland."

Bis er sich seine Wünsche hier in Deutschland erfüllen kann, liegt noch ein langer Weg vor ihm. "Ich will gerne eine Aufenthaltserlaubnis bekommen, hier mir in Deutschland ein Leben aufbauen und irgendwann einmal meine Familie in Algerien besuchen."

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echo24.de Redaktion

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