Jeder Elfte braucht finanzielle Unterstützung

Das tut Heilbronn gegen Armut

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Oftmals reicht das Geld hinten und vorne nicht.

In der Region reicht es einigen vorne und hinten nicht. Wenn es am nötigsten fehlt, gibt es passende Anlaufstellen.

Man kennt das ja, am Ende des Geldes ist wieder noch zu viel Monat übrig. In Heilbronn trifft das einige viel härter als es in dieser Formulierung klingt: Fast zehn Prozent der Heilbronner unter 65 Jahren brauchen Unterstützung. Das ist fast jeder Elfte. Und da ist nicht nur die Rede von Menschen, die gar nicht arbeiten – viele Hartz-IV-Empfänger zum Beispiel arbeiten sehr wohl, können sich und ihre Familie davon aber nicht ernähren.

Wer froh ist, für kleines Geld einkaufen zu können, findet im Second-Hand-Kaufhaus Gildecenter in Heilbronn günstig Möbel, Geschirr, Bücher, Kleidung und auch Spielsachen. Sachspenden werden hier sehr gerne angenommen. Gleiches gilt für einige der diakonischen Second-Hand-Geschäfte im Stadt- und Landkreis Heilbronn. "Wir schätzen, dass 75 Prozent unserer Kunden Bedürftige sind und die restlichen 25 Prozent - das ist jedermann", erklärt Matthias Weiler, Leiter der Wirtschaftsbetriebe Tafel und Second-Hand. "Niemand, der auch teurer shoppen gehen könnte, muss ein schlechtes Gewissen haben, wenn er in unseren Läden einkauft. Wir brauchen diese Kunden sogar dringend, um all unsere Kosten decken zu können."

Haben Sie schon im Second-Hand-Geschäft oder im Gildecenter eingekauft?

Auch das Angebot an günstigeren Lebensmitteln in Heilbronn ist groß. Mathias Weiler schätzt, dass allein die Tafel mittlerweile rund 10.000 Bedürftige unterstützt. "Dabei muss man immer bedenken, dass wir Unterstützer und kein Versorger sind. Unser Angebot ist nie gleich und wir sind immer froh über das, was wir bekommen." Es sei möglich, dass in einer Woche durch Spenden viele Eier und Milchprodukte zur Verfügung stünden, in der nächsten Woche vielleicht gar keine, dafür aber mehr Obst.

Für etwa 25 Prozent des ortsüblichen Preises werden die Lebensmittel entweder im Tafelladen oder durch die "Fahrtafeln" an 14 Ausgabestellen in der Region verkauft. Was also normalerweise einen Euro kostet, wird bei der Tafel für 25 Cent verkauft. "Verschenken wollen wir nichts, denn dann hat die Ware im wahrsten Sinne keinen Wert", erklärt Weiler. Es komme dann vor, dass mehr genommen wird als benötigt und dann landen die Nahrungsmittel doch im Müll.

Nur wer einen Tafel-Ausweis besitzt, kann das Angebot wahrnehmen. Asylbewerber sind generell dafür generell berechtigt, da sie keinen Einkommensnachweis abliefern können. Beantragen kann den Ausweis außerdem jeder, der maximal 25 Prozent über dem Hartz IV-Einkommen liegt. Untereinander sprechen sich die Hilfsorganisationen der Region ab. "Sollten wir mal einen Überschuss an Lebensmitteln haben, insbesondere mit kurzer Haltbarkeit, geben wir diese natürlich gerne an Meseno, Gilde und andere Unterstützer beispielsweise in Öhringen und Künzelsau weiter", sagt Matthias Weiler.

Aber in der Region gibt es auch einige, die nur davon träumen können, im Einkaufscenter der Gilde oder Lebensmittel von den Tafeln einzukaufen: Für Wohnungslose ist der Gildetreff der Aufbaugilde daher eine willkommene Anlaufstelle. Hier können Menschen ohne einen festen Wohnsitz ein kostenloses Frühstück und ein günstiges Mittagessen zu sich nehmen. Außerdem gibt es die Möglichkeit zu duschen und für wenig Geld Wäsche zu waschen und zu trocknen.

Bernd Schwarz ist Abteilungsleiter der Wohnungslosenhilfe. Er ist überzeugt, dass das Angebot der Gilde in Heilbronn sehr gut angenommen wird: "Wir haben zirka 80 Menschen, die täglich zu uns kommen. Das spricht natürlich für sich."

Auch Matthias Weiler beurteilt das Angebot für Bedürftige und die verschiedenen Unterstützungen in Heilbronn als sehr gut. "Es gibt viele Anlaufstellen und wir haben in der Region einige große Firmen wie Lidl, Campina und Edeka, die es uns einfacher machen, Lebensmittelspenden zu bekommen."

Anna-Maureen Bremer

Anna-Maureen Bremer

Mittendrin statt nur dabei: Soziales, Partys und eure Themen immer im Blick! Kolumne: "Natürlich blond".

E-Mail:anna-maureen.bremer@echo24.de

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