Die Autana Stiftung unterstützt Familien von autistischen Kindern in Heilbronn

Ein Leben in der Innenwelt

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Richard Huber aus Heilbronn-Böckingen (4) ist Autist. Seine Eltern Björn und Hannah Huber erhalten Hilfe von Stefanie Teubner (hinten links) und Elke Lindner von der Autana Stiftung.
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DEN Autismus gibt es nicht. Bei jedem Betroffenen wirkt sich die seelische Behinderung ein bisschen anders aus.

Ganz allein in einer völlig fremden Stadt, ohne jede Orientierung, auf dem Boden liegend. Und dann sagt einer: „Krieche mal zum nächsten Bahnhof.“ So in etwa kann sich ein Nichtbetroffener die isolierte Situation vorstellen, in der sich Autisten gegenüber ihrer Umwelt befinden.

„Menschen mit Autismus fehlen soziale Konzepte, die für uns selbstverständlich sind. Sie sehen das Detail, können die sich daran anschließenden Zusammenhänge und Folgen aber nicht deuten“, erklärt Björn Huber. Beide Söhne des Familienvaters aus Heilbronn-Böckingen leiden unter der seelischen Behinderung. Das bedeutet zum Beispiel, dass Richard Huber, viereinhalb Jahre, von Raubtieren mit großen Zähnen fasziniert ist, weil er sich am Aussehen erfreut und die Gefahr nicht einordnen kann.

Auch Ironie versteht er nicht. „Autisten nehmen jede Aussage wörtlich. Sagt man im Scherz: ’Ab mit dem Po in die Wanne’ fragen sie: ’Und was ist mit dem Rest des Körpers?`“, erklärt Mutter Hannah Huber. Björn Huber betont: „Es gibt nicht DEN Autismus. Bei jedem Betroffenen äußert sich die Entwicklungsstörung anders.“ Der fast siebenjährige William Huber geht offen auf Menschen zu, während andere immer introvertiert sind. Gemeinsam ist allerdings: Autisten sehen sich einer permanenten Reizüberflutung gegenüber. Oft hilft nur der Rückzug in die eigene Innenwelt.

Zentral ist eine klare Struktur zur Orientierung. Das kann immer dasselbe Essen in derselben Anordnung zum festen Zeitpunkt sein. Das setzt die Angehörigen unter Druck. Björn Huber: „Das Umfeld von Autisten muss die Flexibilität mitbringen, die jenen fehlt.“

Die Autana Stiftung in Heilbronn unterstützt Familien wie die Hubers. Dreimal pro Woche kommt Elke Lindner vorbei und hilft im Haushalt. Hannah Huber: „Es entlastet enorm, wenn nur jemand das Bügeln abnimmt.“ Schließlich brauchen die Jungs rund um die Uhr Betreuung. Freitags erledigt das ein Autana-Helfer. Björn Huber erklärt: „Autismus hat nichts mit Erziehung zu tun, sondern beruht auf einem Gendefekt.“ Heilbar ist er nicht. Die Familien können nur daran arbeiten, die Störung zu kompensieren, damit auch Busfahren und Einkaufen irgendwann realisierbar sind. Manche Autisten haben es gar zur Professur geschafft.

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