Kolumne: Runde Sache

Finaler Kontrollblick rettet meine Tochter 

Ein Apotheker-Fehler kann Menschenleben gefährden.

Kennen Sie den finalen Rettungsblick? Als Journalist setze ich ihn ein, wenn es darum geht, noch einmal die Überschriften zu überprüfen, bevor ein Artikel veröffentlicht wird. Dass diese Angewohnheit einmal eine Tragödie in meiner eigenen Familie verhindern würde, hätte ich nie für möglich gehalten.

Vergangene Woche kontrollierte ich, angeregt durch ein ungutes Gefühl meiner Frau, noch einmal das gekaufte, frisch gemischte Medikament meiner sechs Monate alten Tochter. Sie bekommt wegen eines Blutschwämmchens am Arm seit drei Monaten dreimal täglich einen Saft, der blutdrucksenkende Betablocker enthält.

Die Therapie schlägt gut an. Eigentlich ist sie auch völlig ungefährlich. Vorausgesetzt, die Dosierung stimmt. Beim Blick auf das Medikamentenfläschchen fiel mir dann auf, dass mit den Einheiten etwas nicht stimmte. Beim Wirkstoff Propranolol (Betablocker) handelte es sich eindeutig um die fünffache Menge.

Haben Sie auch schon einmal schlechte Erfahrungen mit einer Apotheke gemacht?

Die zuständige Ärztin in der Heidelberger Kinderchirurgie traute ihren Augen kaum, als sie das Beweisfoto mit der Medizinflasche und den Mengenangaben sah. Sie bestätigte, dass die Behandlung mit dieser Dosis für unsere Maus gefährlich gewesen wäre. Sie sprach von starken Atembeschwerden als Nebenwirkungen, die im Extremfall sogar zum Tode geführt hätten.

Meine Frau und mir stockte der Atem, als wir das hörten. Es flossen Tränen. Die Stümperei der Apotheke können wir einfach nicht begreifen. Sie haben mit dem Leben unseres Babys gespielt.

Wütend macht uns die jämmerliche Ausrede, die der Apotheker lieferte, als wir ihn zur Rede stellten. Er sprach von einem "blöden Etikettenfehler". Nee ist klar. "Also lieber Apotheker! Kleiner Tipp von mir: Nehmen Sie den finalen Rettungsblick in ihr Programm auf! Was bei Buchstabendrehern hilft, wirkt garantiert auch bei fehlerhaften Medikamenten. Hier geht es schließlich um Menschenleben."

Wie sind ihre Erfahrungen mit Apotheken und anderen medizinischen Einrichtungen? Schreiben Sie uns an redaktion@echo24.de

Nebenwirkungen: Patienten sollen sich an Behörden wenden 

Jörg Runde

Jörg Runde

Begeistert von Heilbronn und der Region. Im Sport zu Hause, an 1899 und dem VfB nah dran. Kolumne: "Runde Sache"

E-Mail:joerg.runde@echo24.de

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