Die Mietpreise schießen in die Höhe

Wohnungsnot in Heilbronn zum Semesterstart

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Wer eine Wohnung sucht, sollte sein Anliegen überall bekannt machen.

Auch WG-Zimmer sind für weniger als 300 Euro kaum zu haben. Oft bleibt nur, aufs Umland auszuweichen.

"Kuschelige Ein-Zimmer-Wohnung mit Bad und Küche" – so lautet die Anzeige. In Wahrheit handelt es sich um ein total enges Zimmer mit winzigem Bad und ein Meter breiter Küche, in der es nicht einmal eine Besteck-Schublade gibt. Preis: 500 Euro Miete im Monat! Da macht das Wohnen, auch nahe am Heilbronner Stadtkern, keinen Spaß.

Eine Seltenheit ist das aber nicht. Gerade jetzt füllen sich nicht nur die Hörsäle, sondern auch die Städte. Und die Mietpreise schießen in die Höhe, besonders bei vermeintlich günstigen Wohnungen. Nicht nur in Metropolen wie Stuttgart, sondern auch in Heilbronn. Birgit Englert vom Studentischen Servicebüro Heilbronn erklärt: "Eine günstige Wohnung im Heilbronner Raum zu finden, ist Wunschdenken. Unter 300 Euro für ein Zimmer wird’s schwierig." Auf günstig gelegene Stadtteile auszuweichen, bringe aber nicht viel. Man müsste schon weiter weg auf Wohnungssuche gehen. Englert: "In Lauffen haben wir eine relativ günstige Wohnung frei." Das Problem: Die Studenten möchten nicht so weit außerhalb wohnen, auch wenn sie so sparen könnten."

Für wohnungssuchende Studierende ist die Datenbank der Hochschule Heilbronn eine gute Anlaufstelle. Die Vermieter bieten ihre Wohnung oft nur in diesem Portal an. Englert: "Viele Vermieter haben schon gute Erfahrungen mit Studenten gemacht."

Seit 2010 steigt die Einwohnerzahl in Heilbronn deutlich an. "Damit ist auch in den kommenden Jahren zu rechnen", erklärt Bernd Berggötz von der Stabsstelle Stadtentwicklung und Zukunftsfragen in Heilbronn. "Um dem entgegenzuwirken, sollen bis 2020 mindestens 2.000 neue Wohnungen entstehen." Auch 1.350 Wohnheimplätze sind derzeit im Bau.

Macht euch die Wohnungsnot auch zu schaffen?

Auch in Künzelsau ist die Wohnsituation angespannt. "Um den Künzelsauer Studierenden preiswertes und hochschulnahes Wohnen zu bieten, befinden wir uns derzeit in der Planungsphase für ein Wohnheim am Kocher", erklärt Katrin Bansemer vom Studierendenwerk Heidelberg, das auch für die Hochschule am Campus Künzelsau zuständig ist.

Das Finanzielle ist ausschlaggebend bei der Wohnungssuche. Fürs Studieren gibt's keine Kohle. Da haben jene Vorteile, die schon Geld auf die Seite geschafft haben. So wie der Heilbronner Student Philipp Übele. Er wohnt in einer Zweier-WG und zahlt für 18 Quadratmeter 390 Euro warm. Vor einem Jahr wurde die Vier-Zimmer-Wohnung komplett renoviert. Den Preis findet Übele angemessen: "Die Möbel waren enthalten, Küche und Bad sind recht groß. Die Lage am Europaplatz ist klasse – ich bin sehr schnell in der Innenstadt."

Hätte Übele vor dem Studium nicht gearbeitet und Geld zurückgelegt, könnte er sich diese Wohnung nicht leisten. Sechs Jahre lang hat er Geld verdient. Doch ohne Nebenjob geht es auch jetzt nicht: "Ich bin Hochschul-Tutor und verdiene mir was dazu. Außerdem unterstützen mich auch meine Eltern", erzählt der Heilbronner.

Wer jetzt noch immer keine Bleibe gefunden hat, muss weiter recherchieren. Und zwar am besten auf mehreren Kanälen. Ein Blick in die Kleinanzeigen von Zeitungen kann sich lohnen. Hier kann man auch selbst ein Mietgesuch aufgeben.

Und auch Social-Media-Plattformen können helfen: Einfach die Situation schildern. Vielleicht kennt ja einer der Facebook-Freunde jemanden, bei dem gerade ein Wohnplatz frei wird. Zur Not muss man eben in den sauren Apfel beißen – und eben etwas weiter weg ziehen. Schöne Flecken gibt es ja nicht nur in der Stadt, sondern auch im Heilbronner Umland.

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Daniel Hagmann

Daniel Hagmann

Als Reporter in der Region unterwegs. Hauptinteressen: Kunst, Kultur und Kokolores im echo24-Land. Kolumne: "Nachgehagt".

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Melanie Schmidt

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