Dr. Andreas Schaffert ist Spezialist für Sucht- und Infektionskrankheiten · Bei Gutmütigkeit droht Knast

Der harte Job des Dr. Sucht

Dr. Andreas Schaffert in seinem Sprechzimmer der Gemeinschaftspraxis in der Heilbronner Salzstraße: „Sucht ist so eine schwere Erkrankung, dass die Betroffenen lügen, dass sich die Balken biegen.“Foto: Olaf Kubasik
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In der Heilbronner Gemeinschaftspraxis werden etwa 400 Abhängige betreut.

Der antike Schrank vermittelt Behaglichkeit. Ebenso die kuschlige Sitzecke mit der Designer-Stehlampe. Es sind die kleinen Details, die verraten, dass es sich bei dem Raum nicht um ein Musterzimmer aus der Zeitschrift Schöner Wohnen handelt. Aber Dr. Andreas Schaffertist eben auch kein typischer Arzt. Hemd, Pullover, Jeans statt weißen Kittels. Der Internist erklärt: „Wir sind alle Menschen und brauchen keine Uniform.“

Andreas Schafferts Patienten in der Heilbronner Salzstraße sind ebenfalls „untypisch“. Ihre Krankheit: Sucht. Heroin, Kokain, Tabletten, Speed, Ecstasy... – die ganze Palette. Und in vielen Fällen dazu die typischen Infektionen – mit Hepatitis oder dem HI-Virus. Etwa 400 Suchtabhängige betreut Schaffert in der Gemeinschaftspraxis mit seinem Kollegen Eiko Schnaitmann. Und die kommen aus dem gesamten echo-Land – und weit darüber hinaus. Arme, Reiche, Arbeitslose, Berufstätige, Junge und Alte. Eines ist ihnen aber allen gemein: „Bei ihnen war schlichtweg die Urzelle Familie nicht intakt.“

Die persönlichen Schicksale seiner Patienten perlen an Andreas Schaffert keineswegs ab. Er erzählt von der abhängigen Frau, die keine Männer mag. Grund: „Als Siebenjährige saß sie auf dem Schoß des Vaters, der ihr Bier einflößte, während... Sie können sich schon denken was!“ Mitgefühl ja, Gutmütigkeit ist allerdings tabu – denn das kann hinter Gittern enden. Einem Kollegen ist das passiert. Endstation Gefängnis. Schaffert sagt: „Sucht ist so eine schwere Erkrankung, dass die Betroffenen lügen, dass sich die Balken biegen.“

Deshalb werden die Patienten akribisch überprüft, unter anderem wird ein genetischer Code erstellt. Sonst kann sich die Substitutionstherapie mittels Methadon, Polamidon, Subutex und Co. zu einem wahnsinnig schmalen Grat für die behandelnden Ärzte entwickeln – denn: „Es darf nichts in falsche Hände geraten.“ Vor allem, wenn sie wie Dr. Andreas Schaffert und seine Kollegen 365 Tage im Jahr (!!!) Dienst haben.

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